Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 31. Band.1915
Seite: 196
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FRANZ KRÜGER

STALLBURSCHE (ZEICHNUNG)

seinen letzten Jahren versucht er, weit entfernt,
sich in eine gewohnte Manier einzulullen, die
Anregungen zu verwerten, die er von den Franzosen
empfangen hat. So hat er nicht nur
stofflich, sondern auch technisch in jeder Beziehung
seinen Mann gestellt, und innerhalb
der Berliner Schule dürften wir ihn als denjenigen
ansehen, der am klarsten den Weg
von Chodowiecki zu Menzel weist.

Als seine Hauptwerke werden immer die
Paradebilder gelten, die in der Tat an Eigenart
der Auffassung, an kompositioneller Gewandtheit
und an Vertiefung in den Gegenstand
ihresgleichen nicht finden dürften. Bei
der Truppenschau auf dem Opernplatz läßt er
die Kolonnen nach links bis in die Mitte des
in seinem naturgetreuen architektonischen Rahmen
gesehenen Bildes vorrücken und lenkt
geschickt auf eine Reihe recht ungezwungener
und intimer Zuschauergruppen im rechten Vordergrund
ab, die mit dem steifen militärischen
Aufmarsch äußerst wirkungsvoll kontrastieren.

Zumal in der zweiten Bearbeitung
hat er das Hauptgewicht der Darstellung
auf die Vorgänge in der vorderen
, rechten Bildhälfte gelegt, und
es ist wirklich, als ob sich hier alles
zusammengefunden hätte, was damals
in Berlin Ruf und Namen
hatte oder sonst von sich reden
machte, von den Koryphäen der
Kunst und Wissenschaft und den
Bühnengrößen jener Tage bis auf
den Invaliden Beneke, den Mohren
des Prinzen Friedrich Karl und das
Blumenmädchen vom Hoftheater.
Dort unterhält sich der Oberst von
Kate vom Pferde herab mit dem
Kammerherrn von Witzleben, neben
dem der Solotänzer Taglioni mit
seiner hübschen Frau erscheint,
hier bildet die schöne Auguste Cre-
linger mit ihren womöglich noch
schöneren Töchtern den Mittelpunkt
einer Gruppe von Schauspielern
und Sängern, daneben erscheint
das würdige Profil des Oberbürgermeisters
Krausnick, und weiter
rechts findet sich die Künstlerschaft
zusammen, unter der wir
Schadow, Schinkel, Rauch, Stüler,
Menzel und viele andere erkennen.
Zu den Hunderten von Köpfen,
deren jeder mit schärfster Prägnanz
wiedergegeben ist, hat der unermüdliche
Krüger vorher Einzelstudien
gemacht, die jetzt größtenteils
in der Nationalgalerie aufbewahrt
werden, meist von bezaubernder Frische
des Eindrucks und von unfehlbarer Sicherheit
im Strich.

In dem Huldigungsbild von 1844 ist die
Komposition gleichmäßiger. Der Nachdruck
liegt hier auf den von rechts heranwogenden
Menschenmassen des Mittelgrundes, über denen
die lichten Fahnen der Innungen und Vereine
dahinwehen; der Vordergrund ist geschlossener
und auch etwas zurückhaltender behandelt als
bei den Paraden, aber rechts auf der Tribüne
finden wir wieder die Auslese der Berliner Gesellschaft
versammelt, mit den beiden Grimm,
Rauch, Tieck, A. von Humboldt, Meyerbeer
und Cornelius in der vordersten Reihe. In
zahlreichen, hier und da verstreuten Figuren
hat Krüger für die Anhänglichkeit des Volkes
an seinen König rührende Ausdrücke gefunden
, und über das Ganze hat er eine Stimmung
von Jubel und Begeisterung gebreitet, die uns
noch heute mitzureißen vermag. Auch hier
wieder gewissenhafte Vorarbeiten in hunderten

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