Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 31. Band.1915
Seite: 252
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HEINRICH REIFFERSCHEID

DAS DIKTAT (GEMÄLDE)

Formgebung des Oberdeutschen verbindet, wird
durch den eigenartigen Rhythmus der Massen-
und Lichtverteilung zu einem musikalisch wohllautenden
Strom, der sich wie eine Flut von
Tönen und Harmonien über das Bildganze ausbreitet
. Das ist es auch, was den wesentlichen
Charakter seiner Griffelpoesien ausmacht
, wie sie in den Widmungsblättern an
Ad. Stifter, an E. Mörike (1901), anTh.Storm,
an A. v. Droste-Hülshoff (1903), an A. Welti
(1914) und an Shelley (1909), in einem Exlibris
zu eigenem Gebrauch, vorliegen. Wir
haben in diesen Höhenmarken seines griffeldichterischen
Schaffens die Zeugnisse epischer
und lyrischer Ausdrucksweisen, deren Einheitlichkeit
in der reichbewegten, form- und
seelenerfüllten Innenwelt des Künstlers beruht
. Man steht hier ebenso jenseits der klaren
Formensprache der Klassik, wie neben
der zerfließenden Gefühlswelt romantischen
Schwärmens. Da spricht ein Künstler, der für
klares Schauen und leidenschaftliches Empfinden
die sicher beherrschte Ausdrucksweise hat.

Es gehört zum Reizvollsten, in Reifferscheids
graphischem Werk die Flutungen vom

Lyrischen zum Pathetischen, vom Beschaulichen
über die Lyrik zum Epischen und Erhabenen
hin zu verfolgen und doch die strenge
Sachlichkeit zu sehen, mit der er die Möglichkeiten
der Technik zum Ausdrucksmittel künstlerischer
und seelischer Werte macht.

Es liegt im Wesen des Impressionistischen,
eines Zuges, der in den Jahren 1908—1910 bei
Reifferscheid nicht fehlt, daß es auf Raumwirkungen
verzichtet und nur das Momentane
einer Erscheinung zu fassen sucht. Das Technische
solcher Werke verlangt größte Geschmeidigkeit
und Sparsamkeit in Linien und
Tonwerten. In kleinen Landschaften sehen
wir auch diese Probleme angeschnitten und
gelöst, allerdings nur als Wege und Mittel in
dem großen Streben der Erfassung der atmosphärischen
Probleme in ihrer Wirkung auf
Form, Raum und Ausdruck, wie sie etwa die
großen Platten zum „Gewitter in den Bergen"
(1901), dem „Heuhaufen" (1908), „Holländische
Landschaft" (1902), dem „Gartenfeld" (1909),
in der „Pappelallee" (1913), sowie auch in
den Porträtradierungen der „Frau am Fenster"
(1912), des „alten Mannes" (1906), der „Dame

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