Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 31. Band.1915
Seite: 314
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GUSTAV JAGERSPACHER

IN DER SCHENKE

GUSTAV JAGERSPACHER

Von Wilhelm Hausenstein

Das neue Schema wird unterstrichen. Das
leugnetman nicht, wenn man den grundsätzlichen
Wert der neuen Stilbewegung, den im
einzelnen sichtbaren Sonderwert neuer Künstlerindividualitäten
und neuer Bilder anerkennt
und mit einer angreifenden Entschlossenheit
verteidigt. Wir wissen, daß viele der Neuen
ihre Art nur vom Gehalt der neuen Gesamtbewegung
erborgen. Wir erkennen, wie bei
vielen, allzuvielen der neue Formgedanke
nicht mit vegetativer Notwendigkeit zu überzeugender
Erscheinung reift. Spekulative Vorstellung
statt naiver Anschauung erzwingt zuweilen
den neuen Formgedanken; sie erzwingt
die einzelne Wendung im Bild, wo nur die
natürliche Besonnenheit unbeirrbaren Wachstums
den sicheren Ausdruck entwickeln könnte.
Dies also ist zugegeben. Aber nun muß

man sich hüten, dies Zugeständnis zu überschätzen
. Es besagt im Grund nicht mehr
als eine Selbstverständlichkeit. Denn jederzeit
war mit einer neuen Stilbewegung die hilflose,
aber um so gespreiztere Gewalttätigkeit der
Halbtalente verbunden; im Rokoko, im Empire,
im Naturalismus, in der impressionistischen
Malerei waren die affektierten und manierierten
Aeußerungen nicht seltener als heute, und
dennoch haben sie die zeitgenössische, ja dauernde
Gültigkeit des schönen Schemas nicht
aufgehoben.

Die ausgesprochen konservative Beharrung,
mit derjAGERSPACHER inmitten der neuen Kunst
Ueberlieferungen des abgelaufenen Jahrhunderts
behauptet, das Talent, mit dem er seiner
Arbeit den Reiz einer gewissen malerischen
Legitimität verleiht, die Sicherheit, mit der er

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