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arch. bruno paul-berlin
fremde und entliehene Zutaten sie verkleiden
und am Ende vernichten würden. Es ist dabei
gleichgültig, ob einzelnes mehr oder weniger
gelungen ist, daß hier und da vielleicht
bewußte Steifheiten vorkommen. Das Wesentliche
bleibt: es ist ein Weg gezeigt, den größeren
Reichtum und die prinzipielle Haltung
zu verbinden. Man könnte mit einem Vergleich
aus der Musik sagen: Die Orchestrierung
wird reicher. Das Mittel erscheint so
selbstverständlich. Und doch: bisher hatte es
keiner gefunden und--wie viele werden
es anwenden können?! Fritz Stahl
V'on Leuten, die zu der Kunst nur in einem
äußeren Verhältnis stehen, hört man immer
wieder die Rede, daß sie nur in absoluter Freiheit
gedeihen könne. Fragt man den Künstler,
so erhält man die Auskunft, daß im Gegenteil
ein gewisses Maß äußerer Bindung die Phantasie
eher anrege als einschränke und daß bei
der Lösung künstlerischer Probleme gegebene
formale Bestimmungen architektonischer, opti-
mappenschrank im herrenzimmer
scher, ja sozialer Natur eher geneigt sind, ausgezeichnete
künstlerische Leistungen zu erleichtern
als sie zu hemmen. Es liegt dies in
der Natur aller Kunstleistung, welche auf der
einen Seite die höchste Konzentration der persönlichen
Empfindung und ihres Ausdruckes
erfordert und auf der andern Seite doch ihre
Wirkung nicht erzielen kann, wenn sie sich nicht
auf resonanzbereite, also auf den gleichen Ton
gestimmte und somit ähnliche Empfindungen
seitens der Empfänger stützen kann.
Wilhelm Ostwald im „Jahrbuch des Deutschen Werkbundes 1914"
BERICHTIGUNG
In unserem Septemberheft ist uns unter den
Abbildungen auf Seite 556 und 557 ein bedauerliches
Versehen unterlaufen: das Essener
Haus auf der Kölner Werkbundausstellung ist
nicht wie angegeben von Herrn Architekt Alfr.
Fischer, sondern von Herrn Architekt Professor
Georg Metzendorf in Essen erbaut; auf
Seite 557 ist dagegen statt Arch. Georg Metzendorf
-Essen als Erbauer Herr Regierungsbaumeister
Speckmann zu setzen.
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