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Folgen eines ähnlich verlaufenden Krieges ganz
anders gerüstet gegenüber als anno Siebzig.
Vor allem deshalb, weil die Nation auf den
Schlachtfeldern nicht nur eine Bestätigung ihrer
kriegerischen Kraft empfängt, sondern auch
lande für einen Respekt vor den stolzen Kulturvölkern
Europas gewinnen? Vor ebendiesen
Nachbarvölkern, die man uns zurückgebliebenen
Teutonen, Hunnen (und wie die Komplimente
alle heißen) als Muster angepriesen hat! Die
BRUNO PAUL
TEPPICH IM SPEISEZIMMER
eine ungeheure Steigerung ihrer sittlich-kulturellen
Lebenskräfte erfährt, ein erweitertes
Bewußtsein von der nationalen Notwendigkeit
deutschen Wesens überhaupt. Was sollen wir
denn in diesen Zeiten des allgemeinen Treubruchs
, der zerrissenen Völkerrechte, der zerfetzten
Staatsverträge, der grausamen Verfolgung
Unschuldiger, der bestialischen Greuel
an Verwundeten - - was sollen wir an solchen
Beispielen einer beispiellosen Barbarei im Ausgrenzenlose
Empörung, dieuns in diesem Kriege
Sinnund Seelespannt, wird und muß auch für alle
Kulturarbeit nach dem Kriege fruchtbar werden.
Wenn die englische Lebensführung, deren
überlegene Herrenmäßigkeit von den Deutschen
so maßlos bewundert wird, in einer Staatspolitik
von derart skrupelloser Krämerhaftig-
keit gipfelt, so werden wir unsere Bewunderung
für alles „echt Englische" doch wohl auch
auf nichtpolitischen Gebieten neu orientieren.
Dekorative Kunst. XVIII. i. Oktober 1914
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