http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0047
ADAM SCHWEIZER
Ausführung: B. Schweizer, Zinngießer, Diessen (Oberbayern)
ZINNFIGUREN
DAS KUNSTGEWERBE AUF DER DEUTSCHEN WERKBUNDAUSSTELLUNG
IN KÖLN
In der ernsten Zeit, die jetzt — fast über
Nacht— für Deutschland hereingebrochen
ist, mit den für die Zulassung der Ausstellungsarbeiten
verantwortlichen Leitern der Werkbund
-Ausstellung zu rechten, ist unmöglich.
Die Aufgaben, die uns nun 17 Jahre beschäftigt
haben, die Probleme und Fragen, deren
Lösung wir zu fördern suchten und über die
noch vor wenig Wochen auf der Kölner Tagung
des Deutschen Werkbundes so leidenschaftlich
debattiert wurde, haben heute ihre
Bedeutung verloren. Neben dem, was jetzt
auf dem Spiele steht, und wofür die in Heer
und Flotte geeinte, mannhafte Jugend Deutschlands
kämpft, sind all diese jahrelang heiß
umstrittenen Bestrebungen klein und bedeutungslos
. Alles Trennende zurückzustellen und
für das einzutreten, was uns einig und stark
macht, ist heute auf allen Gebieten selbstverständliche
Pflicht. Auch nach dem Kriege
werden die wirtschaftlichen Fragen ernster
sein als die künstlerischen, die Sorge für das
Wiederaufleben von Industrie und Handel, für
die Beschäftigung von Millionen Arbeitern
wichtiger als die um die Freiheit des künstlerischen
Schaffens.
Wir sehen daher davon ab, das, was die
ihrer Aufgabe nicht gewachsene Ausstellungsleitung
und eine Jury, die sich der Wichtigkeit
ihres verantwortungsvollen Amtes anscheinend
nicht bewußt war, hier als eine Auslese
deutscher Qualitätsarbeit zur Schau gestellt
haben, kritisch zu mustern, und beschränken
uns auf die Feststellung, daß die
Ausstellung wenig Neues zutage gefördert hat,
von dem zu sprechen sich lohnte. Gewiß
war hier manches gute Stück, manche ausgezeichnete
handwerkliche Leistung zu bewundern
, aber es verlor sich in dem die Glasschränke
füllenden Mittelgut, wie man es in
jedem gut geleiteten Spezialgeschäft zu sehen
bekommt, und neben dem vielen Minderwertigen
, das zu dieser ersten Ausstellung des
Deutschen Werkbundes unter keinen Umständen
, auch um finanzieller Vorteile nicht hätte
zugelassen werden dürfen. Wir lassen in diesem
und dem nächsten Heft Abbildungen von
Ausstellungsarbeiten folgen, die wegen ihrer
besonderen Qualitäten aus der Masse herausgehoben
zu werden verdienen, da aus ihnen
die gesunden Grundsätze sprechen, die im
gewerblichen Schaffen durchzusetzen, einst
das vornehmste Ziel des Deutschen Werkbundes
war.
Auch in Köln konnte man die Beobachtung
machen, die sich dem aufmerksamen Besucher
schon bei früheren Ausstellungen aufgedrängt
hat, daß wir in der Keramik bisher zu
den reifsten, allgemein gültigen Lösungen der
neuen Aufgaben gekommen sind. Wie auf
Dekorative Kunst. XVIII. i. Oktober 1914
25
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0047