Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 32
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HALSSCHMUCK IN GETRIEBENEM GOLD MIT EDLEN STEINEN □ ENTWURF UND AUSFÜHRUNG: GOLDSCHMIED

HERMANN EHRENLECHNER, DRESDEN

DER QUALITATSBEGRIFF IM ZEITALTER DER MASSEN

Masse und Maschine sind zwei Begriffe, die
ohne einander nicht bestehen können, untrennbar
verknüpft erscheinen. Ohne die Maschine
könnten die breiten Massen tausenderlei
Bedürfnisse nicht befriedigen, Bedürfnisse,
die früher als der Komfort, als der Luxus der
Begüterten angesehen werden mußten. Aber
auch die Maschine kann ohne die Massen
nicht bestehen. Sie ist darauf eingestellt,
gleichartige Arbeitsvorgänge in großer und ganz
großer Zahl zu verrichten. Sie kann innerhalb
dieses einmal festgesetzten Arbeitsvorgangs
nicht individualisieren und spezialisieren.
Sie besteht daher nur durch die Vielen, die
gleichartige, unindividuelle Ware nehmen. Je
mehr der Widerwille dagegen schwindet, um
so sieghafter vermag die Maschine aufzutreten.
Sie, die früher nur in Aktion treten konnte
bei der Herstellung der minderwertigeren Erzeugnisse
, hat dem Handwerker, der die bessere
Arbeit leistete, nicht nur den großen Markt
genommen; sie ist beinahe schon so weit, das
Terrain zu bestimmen, das ihm noch überlassen
sein mag. Immer wieder macht sie uns
zu Zeugen weiterer Siege, deren Opfer diejenigen
sind, die die Menschheit jahrhundertelang
nicht nur mit schöner, sondern auch mit höchst
qualitätvoller Ware versorgt haben. Den Gerber
hat sie gezwungen, seine Lohmühle auszubauen
zu einem gewaltigen Fabrikkomplex, wo mit
Hilfe chemischer Verfahren in einem Viertel
der Zeit die größten Mengen Häute gegerbt und
zu Leder verarbeitet werden können. Der
schlesische Leineweber hat seine Hungertragödie
damit beendet, daß er seine Stühle stillgelegt
hat und in die Fabriken gegangen ist.
Wer in unseren Waren- und Wäscheausstattungshäusern
hat denn schließlich noch nach seinem

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