Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 39
(PDF, 109 MB)
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Schundmöbeln loszukommen. Als
dann aber die Typen, aufs einfachste
ausgeführt, fertig vorlagen
, stellte sich heraus, daß sie
nur für den „gehobenen" Arbeiter
erschwinglich waren. Der größte
Teil der Arbeiterschaft ist einfach
nicht imstande, für eine Einzim-
mer-Wohnung 600 und für eine
Zweizimmer-Wohnung 900 Mark
auszugeben. Billiger aber läßt sich
bei einwandfreiem Material und
anständig gelohnter Arbeit in einer
Stadt wie Berlin solcher Hausrat
nicht herstellen. Wenn trotzdem
diese Typen einen erheblicheren
Absatz, als man vielleicht bei diesen
Verhältnissen erwarten durfte,
gefunden haben, so ist das ein
Beweis für die auch nicht vor
Opfern zurückschreckende Qualitätssehnsucht
der aufkommenden
Massen. Und die Tatsache, daß
Millionen von Arbeitern und Kleinbürgern
nicht einmal so viel aufzubringen
vermögen, daß sie auf
einem einwandfreien Stuhl sitzen,
an einem einwandfreien Tisch
essen, in einem einwandfreien Bett
schlafen können, spricht nicht gerade
für die bestehende soziale
Ordnung. Ruskin, der soziale Utopist
, der Apostel des Qualitätsgedankens
, hat es oft genug gepredigt
, wie sehr der „greuliche Anblick
" solcher Wohnstätten auch
unsere Sache ist. „Wir müssen",
schwärmt er einmal, „darauf hinzuwirken
suchen, daß jeder ein
Haus haben möchte. Das will sagen
, in einem nicht allzu vorgeschrittenen
Lebensalter sollten
die Menschen alle wünschen, ein
Heim zu haben, welches sie nie
mehr zu verlassen gedenken, ihren
Lebensgewohnheiten entsprechend
und voraussichtlich immer mehr
entsprechend, je älter sie werden.
Diese ihre Wohnungen müssen
die Menschen trachten so stark
wie möglich zu haben, schmuck
und säuberlich eingerichtet, in angenehmer
Lage, hellem Licht und
guter Luft. So viel sollten sie
mindestens sich doch aussuchen
dürfen, wie die Schwalben es auch
können."

Paul Westheim

SCHMUCKBEHALTER IN VERGOLDETEM SILBER □ NACH EINER SKIZZE
VON KARL GROSZ AUSGEFÜHRT VON H. EHRENLECHNER, DRESDEN

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