Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 49
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VOLKSKUNST UNSERER ZEIT

Die Volkskunst, wie sie uns von alters her
überliefert ist, erscheint, wenn man sich
an eine Definition dieses noch ziemlich unklaren
Begriffes heranwagt, in der Hauptsache
als Eigenarbeit für den Eigenbedarf. Ein Mädchen
stickt und putzt sich an langen Winterabenden
eine Brauthaube. Sie soll ihr an ihrem
Hochzeitstage eine Zier sein. Alle Wissenschaft
, die sie sich von der Mutter, von der
Muhme, von den Freundinnen aneignen konnte,
wird bei der Gelegenheit aufgewandt. Sie spart
nicht an Zeit, nicht an Mühen, nicht an Zutaten
. Das Beste an Material und Arbeit ist
für solchen Ehrentag gerade gut genug. Man
will für den Bräutigam schöner, liebreizender geschmückt
sein
als je eine, die
im Dorfe aufgeboten
wurde.
Aus solchem
Trieb wird ein
simples Bauernkind
zu einer
heimlichen

Künstlerin,
schafft es vielleicht
mit Formen
, die im
ganzen Bezirk
längst gang und
gäbesind,etwas
von zauberhaf-
terKostbarkeit,
daß ganz große
Künstler sich adam schweizer-di

geschlagen fühlen müssen. Denn was hier sich
auswirkt, ist eine naive Menschlichkeit, die
mit dem ungeheuren Schatz eines unverbrauchten
Empfindens sich hingibt an die bescheidene
Sache, in der Liebe und Leidenschaft, Ehrgeiz
und Gestalterfreude gemengt sind zu einem
einzigen Zweck: gefällige Schönheit zu bilden.

Das nur ein Beispiel für diese Art handwerklicher
Betätigung. Aber mag die Intensität
der Antriebe nicht immer so stark sein,
im Wesen bleibt es dasselbe, ob einem erwarteten
Kind die Wiege geflochten, ob dem
Ehegatten eine Weste oder ein Prunkmantel
gefertigt, ob aus besonderem Anlaß der heimatlichen
Kirche eine Maria, ein heiliger Franziskus
, ein heiliger
Antonius
geschnitzt, ob
der Griff der
Flinte oder des
Messers mit
Tier- und Menschenfiguren
über und über
verziert wird.
Esistein Schaffen
, bei dem
die Freude an
der Arbeit und
dieFreudeüber
die trefflich gelungene
Arbeit
der höchste
Lohn sind. Ein
essen □ Zinnfigur Schaffen also,

Dekorative Kunst. XVIII. 2. November 1914

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