Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 58
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JOSEF HOFFMANN-WIEN

GLÄSER MIT SCHWARZEM DEKOR

allen Gebieten —, sind Dinge entstanden, die
vielleicht nicht von jedem Blickpunkt aus
sympathisch anmuten, die durch ihre Größe,
ihre Unerschütterlichkeit gewiß aber etwas
Imposantes haben. Und daneben dieses kümmerliche
Pflänzchen Volkskunst, von dem
das eigentliche Volk nur durch Zufall einmal
eine Ahnung bekommen, das nicht leben
kann ohne das Wohlwollen und die wohltätige
Unterstützung etlicher kleiner Konven-
tikel. Wie, wenn man Volkskunst etwas ganz,
ganz anderes zu nennen hätte?

Man wird zugeben müssen, daß von Volkskunst
nur die Rede sein kann bei Dingen,
die im Leben der breiten Masse eine Rolle
spielen, die wie von selbst diesem Leben zugehörig
sind. So können logisch eben nur
künstlerische Erscheinungen genannt werden,
die zu Tausenden und Abertausenden verbreitet
, die bis in die Arbeiterwohnung hinein
zu finden sind. Das aber ist ein erheblicher
Teil dessen, was so schlechtweg „neues
Kunstgewerbe" genannt wird. Ein vom Künstler
entworfener, in guter Qualität massenhaft
ausgeführter Schrank — man hat dafür schon
den Ausdruck „Typenmöbel" geprägt — ist,
so weit Kunst an ihm erlebt wird, moderne
Volkskunst. Es bedarf keiner großen Anstrengung
, um derartiges den Leuten begehrenswert
zu machen. Sie genießen an
ihm mannigfache Reize des Schönen und
leisten sich mit ihm auch schon einen Luxus,
wie es künstlerische Werte über die Zwecknotwendigkeit
hinaus ja immer sind. Massen
erleben da den Gehalt einer Linie, einer Kontur
, einer edlen Flächengestaltung. Massen
müssen das als ihre Kunst empfinden, als
eine Kunst, die herausgewachsen ist aus
ihrer Existenz, und die ohne sie weder bestehen
noch entstehen könnte. Eine bedruckte
Leinendecke, von dem oder jenem unserer
Kunstgewerbler entworfen, die in Stadt und


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