Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 60
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ARCH. RUNGE & SCOTL AN D-BREMEN

WEISZG ESTRICH EN E GARTENMÖBEL

Land überall auf den Tischen unserer Häuser
aufliegt, in denen man dem Leben einen
künstlerischen Rahmen geben möchte, eine
Steingutbowle von Riemerschmid, die, wie
man weiß, in allen Bevölkerungsklassen überraschenden
Anklang gefunden hat, eine der
künstlerischen Zigarettenpackungen, die jedes
Jahr durch Millionen Hände wandern, ein
Plakat von Bernhard, von Hohlwein oder
sonst einem, das allen vor die Augen kommt,
ein Linoleumbelag oder ein Treppenläufer,
wie sie Gessner und andere entworfen haben
und wie sie in jedem besseren Miethaus
schon zu finden sind, die von Behrens geformten
Bogenlampen der A. E. G. und wie
viele andere Erscheinungen des neuen Kunstgewerbes
sind ebenso in die Daseinssphäre
und die Phantasie des Volkes eingedrungen;
in die Schichten wenigstens, die für künstlerische
Werte überhaupt empfänglich sind.
Sieht man diese Dinge alle zu Tausenden
und Zehntausenden entstehen, sieht man sie
ganz selbstverständlich ohne Widerstreben
und ohne eingeredete Sentimentalität eingehen
in den Besitz riesengroßer Volksmassen, hat
man auch einmal nur etwas von der Gier
verspürt, mit der sie allenthalben aufgegriffen

werden, dann kann einem wahrlich nicht mehr
verwehrt werden, hier von einer werdenden
Volkskunst zu reden.

Bei all diesen Gewerben kann auch nicht
die Rede sein von dem Elend, über das die
Produktionen klagen, die von aristokratischeren
Zeiten her noch fortbestehen. Für sie
gibt es und wird es sicherlich immer geben
die kleinen Liebhaberkreise, die sie wie etwas
Kostbares pflegen und fördern. Die lebendige
Kunst, die Kunst des Volkes aber gedeiht aus
sich heraus, ent- und besteht im Einklang mit
der heutigen Wirtschaftsordnung. Selbstverständlich
sind im Bereich dieses Massenkunst-
handwerkes auch mancherlei Fehlschläge zu
verzeichnen. Es gibt ja der Faktoren genug,
die einer elementaren Auswirkung der natürlichen
Triebkräfte hemmend entgegenstehen.
Schon die Künstler, die die Typen entwickeln
sollten, haben oft genug versagt und haben
Dinge geschaffen, die unmöglich volkstümlich
zu werden vermochten. Aber sieht man über
derlei Einzelheiten hinweg, so wird niemand
bestreiten können, daß das Ganze dieser neuen
Volkskunst marschiert, daß hier ein Zweig der
Kunstentwicklung anhebt, der notwendigerweise
weiter und weiter wachsen muß.

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