Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 94
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HANS ERLWEIN f

Der Dresdner Stadtbaurat Prof. Hans Erlwein
ist am 9. Oktober auf französischer Erde eines
jähen Todes gestorben. Er war mit einem Dresdner
Zug von Liebesgaben für die sächsischen Truppen
voll Begeisterung ins Feld gefahren, wo er ein Opfer
eines Automobilunfalles wurde. Er wurde in Rethel
begraben. Die Stadt Dresden erleidet durch Erlweins
Tod einen schweren Verlust. In noch nicht
zehn Jahren hat er in Dresden eine fast unübersehbare
Reihe von Bauwerken geschaffen: ein Dutzend
Schulen, mehrere Verwaltungsgebäude, zahlreiche
Kleinwohnungsbauten, einen Gasbehälter, ein Wasserwerk
, einen Aussichtsturm, die Riesenanlage des
Schlachthofes, der einer kleinen Stadt gleicht, die bedeutsame
Umgestaltung des Italienischen Dörfchens,
das gewaltige städtische Speichergebäude, den Umbau
der Löwenapotheke am Altmarkt, das neue Ausstellungsgebäude
, das noch nicht vollendet ist, und
zahlreiche kleine Gebäude, wie Straßenbahnwarte-
hallen, Verkehrsgebäude, Bedürfnisanstalten usw.,
kurzum alles, was seit zehn Jahren an städtischen
Bauten in Dresden entstanden ist mit Ausnahme
des Rathauses, der Friedrich-August-Brücke und
des Krematoriums. Das Kennzeichnende an Erlweins
Schaffen ist, daß er allenthalben mit Bewußtsein
die Grundsätze des modernen Städtebaues
zur Geltung gebracht hat, daß er jeden Bau für
den Platz schuf, für den er bestimmt war, so daß
in jedem Fall ein harmonisches Stadtbild entstehen
mußte, daß er endlich stets unverbrüchlich
auf Echtheit und Solidität drang und nur die Verwendung
der besten Baustoffe duldete. Die hervorragendsten
, ihm geistesverwandten Künstler wie
Georg Wrba, Karl Groß, Otto Gußmann, Paul
Rößler zog er zur Mitarbeit an seinen Bauten
heran, nicht minder die bewährtesten Kunsthandwerker
aller Art. So verbreitete er durch seine
Bauten eine vornehme Baugesinnung, die ein dauerndes
Erbe seines Wirkens bleiben wird. Zweckmäßigkeit
und Nutzwert war sein oberster Grundsatz
, aber darüber hinaus wußte er seinen Schöpfungen
das persönliche künstlerische Gepräge zu
geben, das sie besonders auszeichnet Immer tiefer
versenkte er sich in den Geist Alt-Dresdens. So
empfand man seine Kunst in Dresden gar bald als
echt heimatlich; das zeigt sich vor allem in der
Silhouette seiner Bauten, in der Dachausbildung.
Seine persönliche Note aber spricht sich in der
Frische, in der Heiterkeit und Lebendigkeit seiner
Bauwerke aus. Namentlich den Schmuck vergoldeter
Steinornamente, der in Dresden aus der Barockzeit
heimatberechtigt ist, und den Schmuck vergoldeter
Schmiedearbeiten brachte er wieder zu Ehren.
Hierfür ist ein glänzendes Beispiel das alte Rathaus
am Altmarkt, das er mit der neuen Löwenapotheke
zu einer prächtigen Baugruppe vereinigte.
Erlwein war zugleich Heimatkünstler und moderner
Mensch. Erlwein war am 13. Juni 1872 in Bayrisch-
Gmain bei Reichenhall geboren; er studierte Architektur
an der Technischen Hochschule zu München,
trat dann als Regierungsbauführer in den Dienst der
bayerischen Militärverwaltung, wurde mit 26 Jahren
Stadtbaurat in Bamberg und im Februar 1905
Stadtbaurat in Dresden. p. sch.

E. WORLEIN-MÜNCHEN

Vertrieb durch die Deutschen Werkstätten A.-G., München-Berlin-Dresden-Hannover

WICHTELPUPPEN

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