Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 97
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K. SCHMOLL VON EISENWERTH

DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

Stuttgart, Hofloge des neuen Theaters

WANDBILDER VON PROFESSOR KARL SCHMOLL

VON EISENWERTH

Von Dr. Erich Grill

Vor Jahren sah man auf verschiedenen
Kunstausstellungen sehr ansprechende
Gemälde kleineren Formates von Schmoll
von Eisenwerth, die das Auge des Beschauers
fesselten durch das gediegene Können, das aus
ihnen sprach. Aber wenn sie auch eine solide
Technik und ein äußerst vornehmes Farbenempfinden
des Künstlers verrieten, so ließen
sie doch nicht so ohne weiteres ahnen, daß
er sich einmal zu einem unserer bedeutendsten
Monumentalmaler entwickeln würde. Immerhin
waren alle Vorbedingungen hierzu bei
ihm vorhanden, denn seine ausgesprochene
dekorative Begabung, wohl gepflegt durch langjähriges
ernstes Studium berechtigte zu hervorragenden
Leistungen. Oft fehlt es eben nur
an der günstigen Gelegenheit, um ein Talent
zu voller Entfaltung zu bringen. Und diese
Gelegenheit sollte sich unserem Maler gerade
zur rechten Zeit bieten, nämlich in dem Augenblick
, wo seine künstlerische Durchbildung
einen gewissen Abschluß erreicht hatte. Geboren
am 18. Mai 1879 in Wien, verlebte er
seine früheste Jugend in der schönen Donaustadt
. Einer glücklichen Blutmischung — die

väterliche Familie stammt vom Rhein, die
Mutter ist Wienerin — verdankt der Knabe
jenes lebhafte Temperament, das auch in den
Werken des gereiften Mannes zum Ausdruck
kommt und ihnen einen eigenen Reiz verleiht.
Als er 15 Jahre alt ist, siedeln seine Eltern
nach Darmstadt über, wo er das Gymnasium
absolviert und damit einen im Kreise seiner
Fachgenossen keineswegs allgemein üblichen
Bildungsgrad erwirbt. Hier empfängt er auch
den ersten künstlerischen Unterricht von Richard
Hölscher, der mit feinstem Verständnis
die Grundlage für sein späteres Schaffen bereitet
. Im Jahre 1898 bezieht er die Münchner
Akademie, arbeitet mehrere Semester unter
Höcker und Herterich und dann ohne Meister,
die Sommermonate auf dem Lande zubringend,
geht nach Italien, hält sich besonders in Rom
auf und verbringt den Winter 1903 in Paris.
Nach ausgedehnten Studienreisen kehrt er endlich
nach München zurück und folgt 1907
einem Rufe als ordentlicher Professor für
Zeichnen, Aquarellieren und dekoratives Entwerfen
an die Technische Hochschule in Stuttgart
, wo er noch heute lebt und wirkt. Hatte

Dekorative Kunst. XVIII. 3. Dezember 1914

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