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worden. Eine dort befindliche Privatvilla
mußte nach den Bestimmungen des Preisausschreibens
bei dem Bau mitverwendet werden,
allerdings waren An- und Aufbauten und Fassadenänderungen
erlaubt. Damit komplizierte
sich natürlich die Bauaufgabe, denn der Grundriß
war dadurch in seiner freien Entwicklung
gehemmt und wenigstens für einen Gebäudetrakt
waren die Geschoßhöhen festgelegt.
Richard Berndl fand die Lösung der Bauaufgabe
, indem er die durch seitliche Anbauten
gestreckte und verstattlichte Villa zur Aufnahme
der Musikschule, des Mozartarchivs,
der Bibliothek, der Verwaltungs- und Sitzungsräume
bestimmte, während er sich für den
Festsaalbau, auf den er natürlich den künstlerischen
Nachdruck legte, freie Hand vorbehielt
. Dadurch war auch die bauliche Gruppierung
in schönster Selbstverständlichkeit bedingt
. Der Schul- und Verwaltungsbau trat
damit von der Straßenflucht zurück und gewann
an Ruhe, während der Festsaal, durch
einen etwas niedrigeren Ueberleitungsbau an
das Schulgebäude angeschlossen, zur Straße
vorspringt und mit den Zugängen und sinngemäß
angelegten Zufahrten sich sogleich als
ein Bauwerk von stark betonter gesellschaftlicher
Funktion ausweist. Durch diese Knik-
kung und Bewegung der Frontlinie verbannte
der Architekt alle Langeweile aus der architektonischen
Massengruppierung, in der noch
eine glückliche Steigerung durch das Nebeneinander
des horizontal wirkenden Schultraktes
und des ganz auf Vertikaleindruck gestellten
Saalbaues erzielt wurde.
Der Schulbau erhielt seine künstlerische
Aufformung in leichter Anlehnung an das Salzburger
Spätbarock, während der Saalbau strenger
, klassischer gehalten ist. Reicher, indessen
nirgends in sinnlosem Ueberfluß auftretender
figürlicher Schmuck trägt zur Belebung der auch
in der Farbgebung sanft bewegten Fassade
bei. Am Schulbau hat Georg Römer in den
Nischen der beiden Flügelbauten in zwei überlebensgroßen
Bronzefiguren die heitere und
die ernste Musik allegorisiert, es sind rassige
Gestalten, die sich von der Schablone solcher
Allegorien weit entfernen: die eine, cä-
cilienhaft in ein weites, faltiges Gewand gehüllt
, scheint still und gemessen einherzuschrei-
ten; dagegen ist die andere ein frisches Weltkind
, munter und keck, eine echte Mozart-
Soubrette. Römer hat auch die über den
Nischen in den Kartuschen angebrachten Stillleben
, Gruppierungen von Musikinstrumenten,
Kränzen und Masken, entworfen, ebenso die
in Untersberger Marmor ausgeführten Vasen
und die zierlichen Kandelaber-Putti auf der
Terrasse des Festsaalbaues. Die Attika des
Schulgebäudes bekrönen vier graziöse Putto-
Figuren, die die musikalischen Tempi Allegro,
Andante, Allamarcia und Menuetto versinnbildlichen
, sehr originelle und packende Arbeiten
des Münchner Bildhauers Karl Killer
. Ornamentale Plastiken gehen auf Hermann
Neppel zurück, die Giebelgruppe am
Saalbau hat Bruno Diamant zum Autor. Es
ist noch ein Wort zu sagen über den aus
künstlerischen wie aus praktischen Rücksichten
notwendigen Verbindungsbau zwischen
den beiden Haupttrakten. Er birgt in seinem
Innern im Obergeschoß das kleine Restaurant
für die Konzertgäste, dagegen ist das
Erdgeschoß zu einer Durchfahrt aufgelöst und
erschließt die Zugänge zu den im Souterrain
angeordneten splendiden Vereinslokalitäten der
Schlaraffia und der Salzburger Liedertafel.
Durch das so entstandene Höfchen blickt man
von der Straße aus durch das Dunkel des
Gewölbes in den lichten Hof, wo vor einer
einst zum Mirabellgarten gehörigen Bastion
ein Wandbrunnen angebracht ist. Ein in Bewegung
und Charakteristik ungemein reizvoller
pfeilbewehrter Amor, ein Werk Heinrich
Waderes, verleiht diesem Brunnen graziöse
Zier . . .
Von welchem Standpunkt aus man die imposante
Gebäudegruppe des Mozarthauses auch
betrachten mag, immer ergeben sich schöne
Bilder, gute Ueberschneidungen, eine glückliche
Gesamtwirkung im städtebaulichen Sinne.
Die Bäume sind, soweit es irgendwie möglich
war, erhalten geblieben und ihr Laubwerk tritt
nun in schönen Akkord zu dem zart nüan-
cierten Grau, Gelb und Kalkweiß der Gebäu-
lichkeiten, deren vielgestaltiges Ausführungsmaterial
: Marmor, Konglomerat, Backstein mit
Kalkmörtelverputz, Beton, in der Hauptsache
in seiner Materialwirkung gezeigt wird und
wohlbedacht zusammengestimmt ist mit der
Patinawirkung der Bronzen und dem satten
Dunkel der zur Dacheindeckung benützten
Platten. Ausgezeichnet ist die Verteilung von
geschlossenen Wandflächen und Fenstern und
sehr glücklich sitzen die Eingänge im Fassadenbild
. In den Festsaalbau führen an der
Straßenseite sieben stattliche Pforten, und zwar
getrennt für Fußgänger und Fuhrwerke und
so angeordnet, daß von den zu Fuß Ankommenden
die Fahrbahn nicht überschritten zu
werden braucht. Bei der Fassade des Schulbaues
konnte es sich der Architekt mit einem
Zugang genügen lassen, zu dem einige Stufen
emporführen, da der nahen Straße wegen ein
hohes Sockelgeschoß notwendig war. Wie die
Straßenfassade, so bietet auch die Gartenseite
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