Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 131
(PDF, 109 MB)
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ferdinand spiegel zeichnung

Welti -f- ist, verdient vor allem Bruno He-
roux (Leipzig) genannt zu werden. Seine
Wunschkarten (es gibt deren bis jetzt etwa 10)
sind Radierungen von sorgfältigster Durchbildung
im einzelnen und hohen künstlerischen
und graphischen Qualitäten, die sie zu den begehrtesten
Objekten für die heute schon ziemlich
zahlreichen Sammler von Gelegenheitsgraphik
machen. Mit Vorliebe verwendet He'roux,
der den Akt spielend
beherrscht,
als Symbol des
neuen, erwachenden
Jahres ein
Kind in den ersten

Lebensjahren;
aber auch Vater
Chronos mit seinen
Attributen
wird von Zeit zu
Zeit bemüht (z.B.
wie er in seinem
Nachen das Neue
Jahr der am Ufer
h arrenden Menschheit
zuführt) und
der Humor nicht
minder, wofüru.a.
das Blatt Zeugnis
ablegt, auf dem
ein Weib mit verbundenen
Augen [georg broel

jedem Vorüberwandelnden seine Portion Punsch
zumißt. Wunderschöne Originalradierungen
versendet alljährlich auch Rudolf Schiestl,
der altmeisterliche, dem Nürnberg zur zweiten
Heimat geworden ist. Auch er bevorzugt
das Kind als Neujahrssymbol; aber seine
Kunst wurzelt in der Volkskunst; darum liebt
er auch die ländliche Umwelt und das bäuerliche
Gewand, wie es unsere Vorfahren getragen
. Und dieser
Archaismus
wirkt bei ihm gar
nicht als Maskerade
, sondern er
gehört zu ihm, wie
sein derber, holzschnittmäßiger
Strich, die Treuherzigkeit
seiner
Gesinnung und
die echte Naivität
seiner Anschauung
der Dinge.
Von ganz anderer
Art sind zwei Meister
der Radierung
, die wohl die
Ursprünglichkeit
des Empfindens
und die Kraft der
Darstellung, aber
Radierung sonst kaum etwas

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