Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 153
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j. v. schäfer

spielsaal in lucca

mit einem echt dichterischen Sinn für Erfindung
und Komposition. Welche dieser drei Eigenschaften
die stärkste ihres Wesens und Schaffens
ist, das ist schwer zu sagen; doch bildet die
glückliche Mischung und Vereinigung der drei
eine starke, einheitlich wirkende Eigenart.

Die dichterische
Erfindungs- und Gestaltungsgabe
ist ein Erbe;
nicht umsonst ist Frau
Johanna V. Schäfer
die Tochter des vor
mehr als drei Jahren
verstorbenen großen
Schweizer Dichters J. V.
Widmann, deruns Deutschen
nebst anderem in
seiner Dichtung „Der
Heilige und die Tiere"
und in seiner wundervollen
„Maikäferkomödie
" Ewigkeitswerke
hinterließ. Widmanns
ganze verklärte und verklärende
Freude an der
Tierwelt und der blühenden
Schöpfung findet
man in den Scherenwerken
seiner Tochter
wieder, aber auch seinen
gütigen, jeder Schärfe
fremden Humor und
seine Gabe, alles Erleben
und Erleiden der
Umwelt in menschliche
Empfindungswerte umzudeuten
und zu gestalten
. Diese Gabe j. v. schafer

schließt auch das Festhalten und Vertiefen
der Stimmungen in sich, die der Anblick
einer Landschaft, einer Himmelsfärbung oder
auch nur kleiner Einzelheiten der Natur im
Menschen auszulösen vermag. Gleich ihrem
Vater bevorzugt Frau Schäfer Stoffe und

Anregungen aus Mythologie
und Bibel,
zarte Legendenstimmung
und die Beziehungen
von Mensch und
Tier.

Ein ganz außerordentliches
zeichnerisches
Können, eine vollkommene
Beherrschung der
Anatomie zeigen die
menschlichen und tierischen
Gestalten, die die
Künstlerin in lebensvollen
Stellungen und Haltungen
schneidet. Diese
Körper sind von wunderbarer
Feinheit und
beredter Ausdruckskraft
, voll Empfindung
und Anmut. Ihre „Wandernde
Maria", „Salome
", „Circe" und „Europa
" sprechen trotz
dem gleichmäßigen, profilierten
Schwarz ihrer
Züge und Körper dank
ausdrucksvoller Haltung
so lebendig, als
wären sie Gemälde, und
die Tiere auf „DerEin-
europa Siedler", „Circe" und

Dekorative Kunst. XVIII. 5. Februar 1915

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