Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 155
(PDF, 109 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0197
schufen wundervoll wirksame und stimmungsreiche
landschaftliche Hintergründe. So bei
dem auch zeichnerisch hervorragenden Bilde
der lieblich jungfräulichen,, Wandernden Maria";
die umbrische Landschaft mit ihren sanften
Hügelketten ist von einer poesievollen Verklärung
und einer Plastik, wie ein Gemälde
sie nicht feiner und besser wiederzugeben
vermag. Mit sparsamen Mitteln, durch geschickte
Wahl zarter Tonstufen und richtiger
Buntpapiere werden malerisch - künstlerische
Wirkungen erzielt. Hier steht ein Baum in
voller Buntblüte, dort strahlt ein rosiger Sonnenuntergang
warm, dort wieder öffnet sich
weit ein Meer und verliert sich in einer sonnbeschienenen
Bucht.

Ein Schritt weiter auf diesem Wege führte
in ein Neuland, in dem die Figuren selbst aus
dem Schattenrißdunkel ins Licht gerückt werden
und ihre Körper Farbe rinden. Von diesen
Bildchen der Künstlerin kenne ich bloß eines:
„Frauen am Strand". Im Vordergrund ein schmales
Stück Ufer aus sandgrauem Papier, darauf
drei Frauen, die sich vom tiefblauen Meere

und dem von wenigen kleinen Weißwolken
durchzogenen blaßblauen Himmel in rosiger
Nacktheit abheben. Ganz schlicht in den Linien,
bis zur Kargheit sparsam ist da alles und
doch oder vielleicht gerade dadurch von einem
Reiz klassisch-griechischer Kunst. Allerdings
mußte hier bei den zum Teil in Vollansicht
geschnittenen Frauenleibern der Farbstift ein
wenig nachhelfen; aber auch hierin ist höchste
Sparsamkeit geübt. Hier wird mit Schere und
Klebstoff eine in ihrer Wirkung vom Schattenriß
zum Aquarell übergehende Kunst geschaffen,
ein Zwitterding von seltsamem Reiz.

Ist das die neue Blüte der Silhouette? Ist
es nur eine buntere unter gleichwertigen schwarzen
Geschwistern? Darüber fehlt heute noch
ein abschließendes Urteil; denn man hat es
mit einer noch nicht voll entfalteten Knospe
zu tun. In FrauJ. V. Schäfer ist aber jedenfalls
wieder eine Poetenseele da, in ihr ist der heiße
Künstleratem, und wir wissen in ihr eine starke,
eigenartige Begabung an dem Werke, der Silhouettenkunst
Leben zu geben und zu erhalten.

Fr. \V. v. Oest£ren

J. V. SCHÄFER

RIESE

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20*


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