Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 160
(PDF, 109 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0202
Für die Massenarbeit ist strengste Schulung,
langjährige Uebung erforderlich und nur ein
innerer Zusammenhang mit der alten Kunst
oder die Abhängigkeit von einem der wenigen
wirklichen Künstler kann uns von der
verhaßten Epidemie der Betätigung jedes
Beliebigen auf kunstgewerblichem Gebiete befreien
. Die Zeit nach dem Kriege wird aus
sich heraus mit jenen dilettantischen Erscheinungen
aufräumen und
es wird nicht zuletzt
eine ihrer größten Segnungen
sein, daß die vorwiegend
unschöpferische
weibliche Betätigung auf
kunstgewerblichem Gebiete
sich, wie schon jetzt,
mehr der handwerklich
praktischen Seite ihres
Berufes zuwendet.

Naturgemäß erstrecken
sich diese Momente mehr
auf jene Gebiete, wo die
Technik an sich fast ohne
weiteres zu beherrschen
war und die künstlerische
Anregung leicht greifbar
oder durchsichtig blieb.
Schwieriger waren jene
Fächer, wo die Kostbarkeit
und Sprödigkeit des
Materials einer dilettantischen
Bearbeitung weniger
zugänglich ist. So
blieb vor allem das Gebiet
der Edelmetalle verschont
. Nur wenige Künstler
, die mit technischem
Können gerade nicht beschwert
waren, haben
einige originelle Leistungen
der Schmuckkunst
geschaffen. Aber auch
hier handelt es sich mehr
um gelegentliche Spielereien
intimeren Charakters
. Gerade in der Goldschmiedekunst
ist der
engste Zusammenhang
mit der alten Kunst in
jeder Hinsicht erforderlich
. Nur in der Beherrschung
ihres unendlichen
Reichtums, im Studium
ihrer alles erschöpfenden
Technik ist ein neues Aufbauen
denkbar. So vor ernst riegel
allem ist Professor Ernst suber mit Goidtauschierung,

Riegel in langausdauernden Arbeiten zu seinen
neuen Schöpfungen fähig geworden. Man
kann ihn heute schon einen Altmeister seiner
Kunst nennen, der dem Alten Gleichwertiges
an die Seite zu stellen vermag. Ein glücklicher
Zufall führte Ernst Riegel nach Köln, einer
Stadt, die in den Schatzkammern ihrer Kirchen
Reichtümer wie keine andere birgt. Die Anfänge
seiner Tätigkeit gehen auf München zurück
. Von dort und aus
Süddeutschland ist in
seine Arbeiten jene kraftvolle
Natürlichkeit und
volkstümliche Frische
übergegangen, die ihnen
einen eigentlich deutschen
Charakter geben.

Mit Vorliebe verweilt
Riegel bei den Glanzwerken
der deutschen Kunst
des Mittelalters und was
aus dieserliebevollenVer-
tiefung herauswuchs, sind
Arbeiten, dieanGlanzund
Kraft der Monumentalität
ihrer Bestimmung entsprechen
. Die Bibel für
die Hof- und Domkirche
in Braunschweig, in Elfenbein
, blau-weiß-grünem
Email, mit Filigran und
Edelsteinen erreicht in
neuer Form den Reichtum
und malerischen Glanz
der romanischen Kunst.
Die Bibel ist gestiftet von
Johann Albrecht Herzog
zu Mecklenburg, dem
ehemaligen Regenten von
Braunschweig, der stets
eine große Vorliebe für
die Kunst Riegels betätigt
hat. Gerade für Arbeiten,
die der Tradition alter Geschlechter
oder der Kirche
entsprechen, ist Riegel
hervorragend geeignet.

Das Amethyst-Kreuz
und die Altargeräte für die
Lutherkirche in Worms
lassen die kraftvolle alte
Art in neuer Form Wiederaufleben
. Hierbei ist
die ornamentale Fähigkeit
Riegels für die Lebendigkeit
des Eindrucks we-
kasuarei-becher sentlich. Sie kommt noch

Figürchen Silber u. Gold Stärker zuh1 Ausdruck in

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