Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 169
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ARCHITEKT ALBERT GESSNER

WILHELMS HORST : ECKE IRISGRUND UND ROSEN WEG

SIEDELUNGS-KLEIN ARBEIT

Gierig hält der Tod seine blutige Ernte.
Da draußen, jenseits der Grenzen, wo
Ruhm und Sieg ist, da ist auch das große
Sterben. Tausende der besten Söhne des Vaterlandes
... Es ist die schwere Zeit, da die
Witwen und Waisen klagen, da Brüder und
Schwestern zittern. Und doch, wir wissen, daß
wir eines der lebenden Völker sind. Noch sind
wir nicht am Ende unserer Volkskraft. Vor
uns liegt eine Zukunft und wie wir gewachsen
sind aus den kleinen Anfängen der schwach
besiedeltenBundesstaaten zu dem vonMenschen-
kraft strotzenden Reich, so werden wir weiter
wachsen. Gerade nach diesem Krieg. Auch
das ist eine der historischen Erkenntnisse,
daß Kriege auf ungebrochene Völkerschaften
wie eine Blutauffrischung wirken. Nach 70 erst
kamen die riesigen Bevölkerungsziffern im
neuen Reich, seit 70 sind zu unserem halben
Dutzend Großstädte die Millionenplätze und
das weitere hundert Großstädte gekommen.
Gab es vor dem Krieg vielleicht von ganz ferne
eine Besorgnis über das Geburtenrückgangsproblem
, so wird auch das einer der Spuke
sein, die mit dem Schlachtendonner sich ins
Nichts verzogen.

Bis zu dem Augenblick, da in endlosen
Wagenzügen die Wehrmannschaft auszog, war
es in Deutschland doch so, daß der Raum
kaum zu schaffen war, der alle die Menschen
beherbergen sollte, die immer neu, immer mehr
da waren. Wohin man auch kam im Reich,
überall neue Häuser, das heißt Zuwachs an
Bevölkerung, an junger Kraft. Welch Gegensatz
, wenn man durch Frankreich fuhr, wo
es ganz selten einmal ein neues Haus zu sehen
gab, wo die Dörfer und Städtchen idyllisch in
ihrer alten Schönheit blieben, weil neues Leben
mit seiner Brutalität da nirgends zum Zerstörer
wurde. Und dann ein Bezirk wie das Rheinland
, wie Westfalen, wo das Auge von der
Eisenbahn her kaum noch ein grünes Fleckchen
Erde zu erhaschen vermochte. Häuserzeilen
, Straßenzüge, ganze Stadtviertel wuchsen
da von Sommer zu Sommer.

Daher wie in Amerikabei uns immer brennen-

Dekorative Kunst. XVIII. 6. März 1915

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