Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 185
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Ausklangs, nämlich der Biedermeierei, unbedingt
wieder ins oppositionelle Fahrwasser
führen mußte, glaubte man fast unbewußt an
frühere Oppositionsstile anknüpfen zu sollen.
Deshalb hielten sich die Franzosen — wie
Bings Kreis vom „L'art nouveau", Plumet und
Seimersheim, Guimard und andere — an die
freie Linienführung des Rokoko, während anderseits
die Engländer — wie W. Morris, J. Ruskin
oder W. Crane — die gotischen Formen zum
Ausgangspunkt gewählt wissen wollten. Diese
beiden Richtungen sind jedoch nur schwer
unter einen Hut zu bringen, und der deutsche
Michel hätte als Buridan-Esel zwischen den
beiden Heubündeln verhungern können.

Aber er war zum Glück kein Buridan-Esel,
sondern ein Geschöpf, klüger als ihn die Nachbarn
haben wollten. Wohl naschte er anfänglich
abwechselnd von dem einen oder anderen

Bündel, merkte jedoch nur zu bald, daß es
sich tatsächlich nur um getrocknetes Gras
handle. Sollte er auf eine solche Winterkost
angewiesen bleiben, während um ihn herum
in Gottes freier Natur überall herrliches Wachstum
herrscht, das man sich nur nach eigenem
Geschmack zurecht zu machen braucht? —
Und seitdem der Deutsche einsehen gelernt,
daß er auch in Geschmacks- und Stilfragen
keineswegs auf fremde Hilfe angewiesen ist,
wurde er über Nacht der starke Jung-Siegfried,
der den Amboß mit dem selbstgeschmiedeten
Schwerte entzweischlug.

Heute sehen wir es deutlicher, als in der
vergangenen Friedenszeit, daß wir nur den
ganz allgemeinen Anstoß, in der Stilbildung
neue Wege zu gehen, von auswärts empfangen
haben. Den Weg selbst hat uns niemand gewiesen
, noch viel weniger geebnet. Ja, man

Dekorative Kunst. XVIII. 6. März 1915

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