http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0236
BRUNO MAUDER
Ausführung: Fachschule
richtsbehörde den richtigen Mann an diesen
wichtigen Platz stellte. Seit Bruno Mauder
an der Spitze einer zielbewußten Lehrerschaft
die Schule leitet, hat sie einen außerordentlichen
Aufschwung genommen. Mauders eigene
künstlerische Persönlichkeit wurde dabei entscheidend
für alle Leistungen der Schule;
sein Stil herrscht unumschränkt, und man fühlt
sich versucht, an ähnliche Erscheinungen bei
den alten Porzellanmanufakturen zu erinnern,
wo auch jeweils der Manufakturdirektor oder
Hauptmodelleur den Stil einer Periode bestimmte
.
Mauder besitzt eine hervorragende ornamentale
Begabung, sein Erfindungsreichtum
scheint unbegrenzt, und dabei hat jede neue
Variante, die er findet, Zusammenhang mit
dem Ganzen seines Werkes. Für alte Stile,
besonders für Empire und für den Stil von 1830,
scheint er eine zärtlicheVerehrungaufzubringen,
auch der künstlerische Ausdruck der Neu-
Wiener dürfte ihn interessiert haben, besonders
in den Farbenkombinationen, z. B. in dem
pikanten und herben Nebeneinander von Gold
und Schwarz. All diese Erkenntnisse und Eindrücke
, Eigenschaften und Absichten schmolzen
in Mauders ornamentalem Stil zusammen, und
ihn hatte Mauder einzusetzen, als er begann,
für die verschiedensten Gebiete der Glas-
BOWLE
ür Glasindustrie, Zwiesel
industrie und des Glaskunstgewerbes wirklich
vorbildliche Entwürfe zu liefern. . .
An der Spitze einer gut ausgestatteten Fachschule
stehend, inmitten eines Gebietes,
dessen hauptsächlichste Industrie die Glasbereitung
ist, mußten sich ihm auch bald die
feinsten Raffinements der Technik enthüllen,
und es konnte nun jenes nur wenigen Künstlern
vergönnte Schaffen anheben, bei dem
Kunst und Technik in die lebendigsten und
förderlichsten Wechselwirkungen treten. Jeden
Entwurf konnte Mauder in der eigenen Anstalt
der Verwirklichung entgegenreifen lassen,
in allen Stadien der Herstellung konnte er ein
Glas, einen Pokal, eine Dose, eine Schale sehen
, und mehr und mehr stellte er aus solchen
Erkenntnissen heraus seine Entwürfe auf
die Möglichkeiten des Materials ein und auf
die oft zufälligen Ergebnisse der Technik.
Wenn daher auf irgendwelche kunstgewerblichen
Erzeugnisse unserer Zeit das leider
schon ein wenig abgenützte, aber doch so
schöne Wort „materialgerecht" angewandt werden
darf, so auf die Gläser Bruno Mauders.
Trotz allen Reichtums der Form und trotz aller
Originalität ihres Dekors sind sie ganz aus den
Selbstverständlichkeiten des Materials heraus
entstanden. Man sehe sich darauf hin etwa
die hier abgebildeten Kristallgläser oder die
192
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0236