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manchen Zweifelnden zu
seiner Anschauung bekehrt
, die sich zu froher
Buntheit bekennt. Namentlich
die Verbindung
von farbigem Glas mit
farbiger Bemalung hat
Mauder mit schönen Beispielen
belegt: etwa mit
einer gedrungen gebauten
Puderdose, bei der auf
milchiggrünlichem Grund
ein zierliches Doppelband
in Gold und Schwarz eine
starke Verlebendigung
der Fläche bewirkt. Bei
Ziergefäßen in einfärbig-
buntem Glas von tiefer
Leuchtkraft und Farbenschönheit
hat Mauder den
Nachdruck auf einen geradezu
architektonischen
Aufbau, auf geschmack-
volleProportionierungen,
auf graziöse Uebergänge
aus der Vertikalen in die
Horizontale, auf weich
modellierte Verjüngungen
, auf gut begründete
Anschwellungen gelegt.
Dabei ist darauf gesehen,
daß die Flächen das Licht
gut auffangen und in schönen
Brechungen widerstrahlen
, wobei auch ihr
eigener Glanz mit aufleuchtenkann
. In der äusseren
Form klingt bei diesen
Gestaltungen manchmal
das Empire an, allerdings
durch ein Temperament
gesehen, ähnlich
wie in den von Mauder
gestalteten Ueberfangglä-
sern, in denen die schöne
Art Egermanns wieder
zur Geltung kommt. Mit Recht geht Mauder
bei dieser zu spielerischen Künsteleien lockenden
Technik aller Ueberspitzung der Motive
und aller übertriebenen Detaillierung der Ornamente
aus dem Weg. Er läßt auch hier die
Schönheit des Materials wirken, des rubinier-
ten Glases, aus dem durch Kugel- oder Ovalschnitte
, die durch den Ueberfang hindurch
bis zum farblosen Glas gehen, das Ornament
blitzend herausgearbeitet ist. Es sind mir in
dieser Hinsicht besonders zwei Ueberfang-
schalen Mauders in Erinnerung, die in Form
BRUNO MAUDER
Ausführung: Fachschule
und Dekor gleich vortrefflich
sind: über weißem
, schlichtem Fuß die
gedrungen aufsteigende,
weit geöffnete rubinierte
Schale mit vorzüglich
ornamentierten, zum Lippenrand
aufsteigenden
Gravierungen, der Rand
selbst durch einen Ovalschliff
-Kranz unendlich
zart aufgelockert und betont
. Größte Einfachheit
bewirkte da stärkste Wirkung
, was freilich nicht
heißen soll, daß Mauder
der Einfachheit zuliebe
allen prunkvollen Ausgestaltungen
abhold ist.
Ich kenne im Gegenteil
Prachtpokale von ihm,die
in ihrem ornamentalen
Reichtum und in ihren
technischen Kombinationen
hinter den vielbewunderten
Prunkstücken
der Wiener, die man bei
der Deutschen Werkbund-
Ausstellung in Köln im
Oesterreichischen Haus
sah, in nichts zurückstehen
. Mauders Art ist
überhaupt nicht einseitig
und es diene dessen zum
Beweis, daß er auch als
Holzschnitzer sich betätigt
und dabei dem Wuchtigen
, Derbschlächtigen
besonders bei seinen humorvollen
Tierskulpturen
den Vorzug gibt. Auch
auf diesem Gebiet berührt
sich Mauders eigenes
künstlerisches Schaffen
mit seiner Lehrtätigkeit
, denn der Zwieseler
Glasindustrie-Fachschule ist eineHolzschnitzer-
schule angeschlossen, und in dieser wie in
jener wirkt Mauders erfrischendes Vorbild auf
eine tüchtige und überzeugte Schülerschaft.
Georg Jacob Wolf
PRUNKGLAS
für Glasindustrie, Zwiesel
„Nach allen Regeln der Kunst" sagt jemand wie
sprichwörtlich. — Als ob es Regeln gäbe!
Es kommt stets nur auf das Unterscheidende (also
Sprechende, Verdeutlichende) an in der Kunst, nicht
auf das Gemeinsame.
Das Wahrsein allein hilft gar nichts. Ueberzeugen
muß man als Künstler. c. Floerke.
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