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sehen Majolika-Schmuck von Professor G. Her-
ting, bezugnehmend auf die liebenswürdigen
Erzeugnisse der Firma, kräftig belebt wird. In
diesem Gebäudeteil sind außer Arbeitssälen in
der Hauptsache Wohlfahrtseinrichtungen, Speisesäle
für Männer und Frauen, Bade-Einrich-
tungen, Garderoben und ähnliches untergebracht
. Im Aeußern zeigt auch dieses Gebäude
deutlich, was ungefähr im Innern vorgeht.
Zum Schluß seien noch einige kurze Bemerkungen
über die beiden letzten Wohnhausbauten
Karl Siebrechts angefügt.
Das Wohnhaus Ferdinand Wallbrechtstr. 8 A,
entstand in unmittelbarer Nähe der Keksfabrik
in einer Straßengabelung auf spitzwinkeligem
Grundriß. Wäre das Grundstück bis in die
Spitze bebaut, so würde der Blick auf den
Fabrikbau der Keksfabrik von einer wichtigen
Straße zugebaut worden sein. Es handelte
sich also darum, wenigstens im Erdgeschoß,
die Spitze dieses Grundstücks zu erheblichem
Teile frei zu lassen. Unter Mitwirkung der
Keksfabrik wurde das ermöglicht, gleichzeitig
erlaubte die städtische Baubehörde, als Entschädigung
für die nichtbebaute Spitze, eine
Ueberbauung des Trottoirs im Zugang einer
stilleren Wohnstraße, wodurch gleichzeitig die
Front des sonst eigentlich recht schmalbrüstigen
Baues erheblich verbreitert ist. Hieraus erklärt
sich die etwas eigenartige Gestaltung
des Ganzen. Auch die starke Auskragung der
oberen Geschosse, die den knapp gewordenen
Grundriß wieder etwas ergiebiger werden ließ,
findet hierin ihre Erklärung. Das Ganze ist
jedenfalls ein Beweis für die Möglichkeit, auch
das Stadtbild von heute eigenartig und belebend
zu bilden, wenn von allen Seiten soviel Entgegenkommen
gezeigt wird wie hier. Das
Haus ist in der Hauptsache
ein Putzbau, die Fenster-Einfassungen
und Strukturteile
sind mit dunkelbraunen Terrakotten
bekleidet. Der plastische
Schmuck, ebenfalls
Terrakotta, ist vom Bildhauer
Georg KRüGER-Ber-
lin. Das dunkelfarbige Dach,
die weißen Fenster und kräftig
-farbigen Türen tun ein
weiteres, um das Haus in
dem sonst etwas öden und
unruhigen Straßenbild wohltuend
eindrucksvoll erscheinen
zu lassen.
Das Haus Fittger Auf
dem Lärchenberg ist ein einfaches
Reihenhaus in stiller
Wohnstraße, nahe dem schönen
Stadtwalde. Da die nicht
breite Straße ein Ueber-
schauen des Ganzen kaum
zuläßt, hat sich der Architekt
mit einer kräftigen Betonung
des Eingangesbegnügt.
Der plastische Schmuck zu
diesem Bau ist vom Bildhauer
L. Vierthaler. Auch
dieses Haus ist Putzbau, die
Architekturteile aus dunklem
, rotbraunen Eisenstein,
das Dach aus dunkelgesinterten
Pfannen, die Fenster
weiß, das Ganze von
ruhiger, wohltuender Farbgebung
.
ARCHITEKT K. SIEBRECHT
H. BAHLSENS KEKSFABRIK,
HANNOVER: FEUERWACHE
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