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HUBERT WILM
Kunst braucht Gunst", sagt ein alter Spruch,
. und es ist damit gewiß nicht nur die
persönliche Gunst eines Liebhabers oder
Mäzens gemeint, der dem Künstler seine
Werke abkauft und ihm dadurch ein freies,
fröhliches Weiterschaffen ermöglicht. Man
darf auch, und vielleicht sogar noch mehr, an
die Gunst der Zeiten und der durch sie bedingten
Umstände denken, die für das Gedeihen
der Kunst mindestens ebenso bedeutsam
, wenn nicht noch wichtiger wie das
Wohlwollen des Liebhabers sind. Und trifft
das schon ganz allgemein zu, so gilt es doppelt
und dreifach für die dekorativen Künste.
Günstige wirtschaftliche
und kulturelle Vorbedingungen
erzeugen hier den
gesteigerten Bedarf, den
wählerischen Besteller
und den Künstler, der
weitgehende Ansprüche
zu befriedigen vermag.
Fallen aber diese Voraussetzungen
weg, so ist für
die Kunst keine rechte
Möglichkeit vorhanden,
die stets triebbereiten,
überall zu findenden
Keime zu entwickeln.
Unter den dekorativen
Künsten ist es besonders
die angewandte oder Gebrauchsgraphik
, die den
Sonnenschein der Zeitengunst
zu ihrer vollen Ent-
HUBERT WILM □ UMZUGSANZEIGE (RADIERUNG)
faltung sehr nötig hat. Wir hätten nie den
hohen Stand der modernen angewandten Graphik
erreicht, wenn nicht eine lange Friedenszeit
den Boden für alles, was dem kultivierten
Luxus angehört, also auch für die
Gebrauchsgraphik in ihren vielfältigen Formen,
aufs beste bereitet und ertragfähig gemacht
hätte. Unmittelbaren Gewinn von solchen
glücklichen „Konjunkturen" hat natürlich zunächst
nur der Künstler, der sie klug zu
nützen weiß. Zu jenen jüngeren deutschen
Künstlern nun, die das immer verstanden
haben, ohne sich deshalb ins Handwerksmäßige
zu verlieren, zählt auch der Münchener
Graphiker HubertWilm.
Seine Arbeiten wissen
schon seit einigen Jahren
die Aufmerksamkeit der
ernsten Graphikfreunde
in zunehmendem Maße
zu fesseln, und man darf
wohl sagen, daß Wilm,
trotz seiner Jugend, auf
verschiedenen Gebieten
der angewandten (und
auch der freien) Graphik
heute bereits einen gesicherten
Platz einnimmt
und diesen, was noch
mehr ist, auch zu behaupten
weiß. Man könnte
sich eigentlich fast wundern
, daß Wilms Arbeiten
so rasch Anerkennung
gefunden haben;
Dekorative Kunst. XVIII. 7. April 1915
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