Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 223
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hubert wilm

baumstudie (radierung)

ungewöhnlichen dekorativen Begabung Wilms
gezweifelt haben sollte, dürfte ein Satz Initialen,
die er für eine Gießerei gezeichnet hat, den
letzten Einwand entkräften; denn diese so oft
gestellte Aufgabe ist noch selten mit soviel
Empfinden für den Charakter der Buchstaben
gelöst worden. Man hat das Gefühl, daß die
Ornamente, die sich den Buchstabenformen
aufs innigste anpassen, gewissermaßen ihre logische
Konsequenz sind und gar nicht anders
sein könnten, so daß sie mit den Buchstaben
ein untrennbares Ganzes bilden. Beispiele der
mühelos variierenden, ornamentalen Phantasie
Wilms sind ferner einige Broschen und Anhänger
, bei denen der Künstler auch einen
Beweis seines kultivierten Farbensinns gegeben
hat, der zu den schönsten Hoffnungen
berechtigt.

Nicht zur dekorativen Gebrauchsgraphik,
sondern zur freien Graphik gehört eine Anzahl
Porträts bekannter Dichter (Halbe, Wedekind
, Henckell usw.), bei denen mit den aller-
sparsamsten Mitteln ein Höchstmaß von Charakteristik
angestrebt und auch erreicht ist.
Und ein Meisterstück stilisierend-vereinfachen-
der, flächenhafter Schilderung ist die große
„Blumenwiese", ein Hauptblatt des Künstlers,
das seinen dekorativen Stil von heute bis zu
einem Grade des Fertigseins ausgebildet zeigt,
der ein Weiterschreiten, in dieser Richtung
wenigstens, fast unmöglich erscheinen läßt.
Aber man darf getrost annehmen, daß ein
Talent wie das Wilms kein Ausruhen und kein
Beharren bei Erreichtem kennt. Wenn also
die kommenden Zeiten, was wir alle hoffen,
den dekorativen Künsten wieder günstig sein
werden, dann wird gewiß auch für Wilm eine
neue Periode des künstlerischen Wachstums
und des Schaffens auf frischbereitetem Boden
beginnen. Richard Braungart

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