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GARTEN Dr. C. SCHOELLER IN ZÜRICH □ BLICK VOM UNTEREN IN DEN MITTLEREN GARTEN. IM VORDERGRUNDE
EIN HORTENSIENBEET. DIE BODENPLATTEN SIND ROT
Ausführung: Otto Froebels Erben, Gartenarchitekten, Zürich
das schlichte und doch so inhaltsschwere
schwarze, silbergeränderte Eisenkreuz noch
hundertmal häufiger sehen wollte, da man es
bereits an allen möglichen und unmöglichen
Gegenständen anbringt. Man erinnert sich fast
an die Geschichte von jenem Tenor, von dem
behauptet wird, daß er seine Medaille für Kunst
und Wissenschaft auch an seinen Nachthemden
anzubringen nicht unterlassen hätte.
Abgesehen von solchen Uebertreibungen
wäre die Benützung eines geläufigen Motivs
als Schmuckmittel leicht erklärlich, sowohl
vom Standpunkt des Käufers, als auch von
dem des Erzeugers. Wenn dem ersteren das
Eiserne Kreuz verliehen worden ist, wird
man es ihm auch nicht untersagen können,
es ähnlich wie ein Wappen an einzelnen, kunstgewerblich
vornehmeren Gegenständen seiner
Umgebung anbringen zu lassen. Und dem
Fabrikanten wird man es auch gewiß nicht
übelnehmen können, wenn er durch die Herstellung
derart geschmückter Gegenstände die
Beziehung zur Gegenwart festlegt und zugleich
durch eine von jeher wirksame Aktualität dem
ohnehin schweren Stand der sogenannten
Luxusindustrie einigermaßen zu begegnen
trachtet. Bei der außerordentlichen Verbreitung
dieses Ziermotivs dürften aber einige
grundsätzliche Erwägungen nicht überflüssig
sein.
Daß Ordenszeichen im allgemeinen für
das Kunstgewerbe ein besonders dankbares
Schmuckmotiv abgeben könnten, wird man
kaum behaupten dürfen. Ja wenn es sich noch
um die spätmittelalterlichen Orden handeln
würde! Abgesehen vom englischen Hosenbandorden
(1348), dessen dürftiges und trotzdem
vom Kunstgewerbe der Mitte des 19. Jahrhunderts
bis zum Ueberdruß ausgeschlachtetes
Gürtelband die angeborene künstlerische Sterilität
der Engländer verrät, sind die meisten
Ordenszeichen des ausgehenden Mittelalters
ungleich reizvoller als die späteren Stiftungen.
Der noch bestehende italienische Annunciaten-
orden vom Jahre 1362 oder der leider erloschene
hohenzollerische Schwanenorden sind
gute Beispiele einer auf diesem Gebiete früher
noch betätigten Gestaltungsphantasie. Weitaus
an erster Stelle steht aber der 1429 ins Leben
gerufene, burgundische Orden vom Goldenen
Vlies, der in Oesterreich und Spanien noch
fortlebt. Unzählige Male wurde denn auch das
Motiv von Feuerstein und Feuerstahl nebst
Flammenbündel in der spätgotischen Stilisierung
der Ordenskette dekorativ wiederverwendet
; nur die Marmorbalustrade am Lust-
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