http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0307
hause der Königin Anna in Prag oder die
prächtigen Sickereien aus der Burgunderbeute
im Museum von Bern mögen als Beispiele
gstreift sein. Noch als Peter der Große von
Rußland durch westliche, namentlich deutsche
Kultur sein halbasiatisches Reich emporheben
wollte und u. a. wenn auch nicht den Vliesorden
, so doch wenigstens dessen Schutzheiligen
St. Andreas hinübernahm, entstand in Verbindung
mit dem ebenfalls deutschen Doppeladlermotiv
der höchste russische Orden, der
St.-Andreas-Orden (1698), der 1849 die künstlerische
Anregung zu dem strenger durchgeführten
österreichischen Franz-Josephs-Orden
gab. Je häufiger die Orden im 18. und 19.
Jahrhundert wurden, desto mehr Gedankenarmut
offenbart sich bei der Festlegung ihrer
Formen. Das alte Malteserkreuz muß immer
wieder herhalten, z. B. in Preußen wo der
Schwarze Adler vom Jahre 1701, der Orden
„Pour le merite" von 1740 und noch der
Johanniterorden von 1852 fast nur durch Farbenunterschiede
voneinander kenntlich sind.
Als nun gar am 10. März 1813 das Eiserne
Kreuz gestiftet wurde, stand das, spartanischen
Regungen ohnehin zugängliche Preußen just
in der tiefsten Krise. Kein Wunder, daß das
schlichte Ordenszeichen in der Form wie in
der Farblosigkeit, nur auf Schwarzweißwirkung
gestellt, den ganzen Ernst der schweren Zeit
atmet. Dazu kommt unter dem Druck des
riesigen Edelmetallmangels das ungewöhnliche,
geringwertige Material, nämlich Gußeisen, dem
man früher im Kunstgewerbe geradezu meilenweit
ausgewichen ist. Aber die epochale Befreiung
Deutschlands, ja Europas vom Joche
Napoleons gab in den Freiheitskriegen dem
einfachen schwarzen, silbergeränderten Kreuze
eine großartige ideelle Bedeutung. Man fragte
nicht mehr nach dem Materialwert, ebensowenig
nach dem Kunstwert, den damals nur
die wenigsten hätten würdigen können, sondern
nur nach dem symbolischen, transzendentalen
Wert eines Zeichens aus der eisernen
Zeit, die miterlebt, ja wohl selbst mitgeschaffen
zu haben den höchsten Stolz bedeutete.
So haben denn Blüchers Zeitgenossen die
amtliche Bescheinigung ihrer Tapferkeit im
Dienste des Vaterlandes ebenso wie die ein
Jahr jüngere, äußerlich sehr verwandte, für
die weiblichen Kreise bestimmte Ergänzung,
nämlich den Luisenorden, in hohen Ehren gehalten
und sich vor weitgehenden Profanierungen
gehütet. Höchstens die Lieblings-Mund-
GARTEN OBERST NYFFELER IN KIRCHBERG (BERN) h VERTIEFTER GARTEN VOR DEM HAUSE MIT EINEM RASEN
VOR BLAUEN HORNVEILCHEN UND GELBEN RUDBECKIEN
Ausführung: Otto Froebels Erben, Gartenarchitekten, Zürich
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