Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 292
(PDF, 109 MB)
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PAUL MEBES-BERLIN

Technik zu viel, aber auch nie zu wenig verlangt
worden. Und mit welcher verständnisvollen
Treue wurden hier Materialien behandelt!
Es waren gar nicht die ganz kostbaren, die
feinen Marmore aus Italien usw. Von dem
Travertin, der mit so viel Erfolg an den Fassaden
benutzt wurde und einem anderen heimischen
Material, dem körnigen schlesischen Marmor
sprach ich schon; aber wahrhafte Triumphe
sollte unter den Händen dieses Baumeisters
in Treppenhäusern, Wandvertäfelungen, an
Möbeln aller Art unser Kiefernholz feiern. Es
ist hier wirklich zu einem Quell unfaßbarer
Schönheiten geworden.

Doch auch das wäre ein falsches Bild, wenn
man nun nur diese Einzelheiten sehen wollte.
Es ist so, sie alle wachsen zusammen zu diesem
monumentalen Organismus, wie die Bächlein,
wenn sie ineinanderschießen, zum reißenden
Strom werden. Doch so unübersehbare Vielheiten
würden noch nicht eine Harmonie ergeben
ohne den architektonischen Geist, der
Großes wie Kleines umspannt. Das Haus, wie

NORDSTERN BAU: SPEISERAUM FÜR DIE BEAMTEN

es sich als Ganzes präsentiert, die Fassaden,
die Kassenhalle, die Zimmer der Direktion und
des Aufsichtsrates, die Bureaus, Haupt- wie
Nebenräume, das alles zusammen ist zugleich
Dokumentation eines architektonischen Wollens
, das auch dem kritischsten Beurteiler
Achtung abnötigen muß. Kein Zweifel, Mebes
hat in dem Nordstern-Bau ganz unverblümt
und unverfälscht das gigantische Bureauhaus
errichtet, das seiner inneren Bestimmung nach
ja bei der Gelegenheit als das einzig Richtige
zu organisieren war; allein gerade dadurch
, daß hier ein so über alle Maßen
sachlich denkender Geist am Werk war, daß
er nichts anderes als das unübertreffliche
Verwaltungsgebäude zu schaffen bestrebt gewesen
, ist dieses Nordstern-Haus zugleich zu
einem außerordentlichen Werk der
Kunst, zu einem Beispiel für den bei uns,
in unserem deutschen Land herrschenden Kunstgeist
geworden.

Denn das, scheint mir doch, dürfte auch
eine der Absichten der Nordstern-Herren gewesen
sein, ein Beispiel zu geben. Ein
Beispiel von kultureller Bewußtheit und künst-

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