http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0428
Heimat-Museum
Biedenkopf (Hessen)
GESTICKTES TUCH
WEISZ-SCHWARZ, DUNKELBLAUE
LINIE IM INNERN DER BLÜTEN
beiten, die nicht eigentlich zum Thema gehören
, aber als Besonderheit Erwähnung verdienen
. Das reiche, naive, fast heraldisch
wirksame Muster scheint ein viel höheres Alter
anzudeuten, als die Jahreszahl angibt. Es ist
einer unter vielen Beweisen für die Zeitlosig-
keit der vielgestaltigen Volkskunst, die neben
Kunstformen späterer Epochen solche aller
Zeit immer wieder neu schafft und den eigentlichen
Bestimmungswert auf den Ort, bezw.
die Gegend verlegt. Die zierlichen Kreuzstichstickereien
der Altenländer Taschentücher (Abb.
S. 357) lösen das schwierige Problem der Darstellung
des Figürlichen durch eine ungeeignete
Technik durch starkes Stilisieren.
Die althessischen Buntstickereien (Abb.
S. 358) sind vorwiegend Bestandteile der sogenannten
„ Aemtertracht" im Kreis Biedenkopf,
deren stumpfes Schwarz sie beleben. Hier blüht
die ganze naive Buntheit des Bauerngartens in
vielgestaltiger Pracht. Anmutige Linienführung
steht neben weniger guter. Abbildung S. 353
scheint der Versuch eines harmlosen Gemüts
durch Zusammenstellen der Muster zweier
Haubenscheitelstücke die Verzierung für den
Brustschmuck zu gewinnen. Die allerliebsten
Häubchen (Abb. S. 351) werden nur von kleinen
Mädchen getragen und wirken ganz unvergleichlich
hübscherals das, was an ausländischen
Erzeugnissen, z. B. schwedischen Kindermütz-
chen, in dieser Hinsicht bei uns üblich geworden
ist; die leuchtende, durch Silberflitter gehobene
Buntheit der Stickerei auf schwarzem
Sammetgrund wirkt heiterund vornehm zugleich.
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