http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_32_1915/0450
ERNST HAIGER
DAMENZIMMER IN OLIVENMASERHOLZ MIT BRONZE
EIN DAMENZIMMER VON ERNST HAIGER
In der Sommerausstellung des Jahres 1898
machte sich zum ersten Male im deutschen
Kunstgewerbe, das uns im Münchner Glaspalaste
vor Augen geführt wurde, eine neue
Bewegung bemerkbar.
Seit jener Zeit hat die angewandte Kunst einen
ununterbrochenen Läuterungsprozeß durchgemacht
. Der Jugendstil war bald überstanden
und man lernte, daß Takt in der angewandten
Kunst viel, wenn nicht fast alles war.
Heute wissen wir, daß ein Raum ein neutraler
Hintergrund für den Menschen sein soll,
wir haben gelernt, daß ein Möbel nicht durch
reiche Ornamentik an Wert gewinnt, sondern
nur durch die Veredelung der Form, wir haben
eingesehen, daß in der griechischen und römischen
Antike, in der Renaissance, unter den
französischen Königen und im England der
Adam, Chippendale und Shareton Vorzügliches
auf dem Gebiete der Raumkunst geleistet
wurde, daß jede dieser Epochen eine besondere
Charakteristik aufweist und uns lehrt, wie
man den stärksten Ausdruck, sei es von ernstester
Würde oder heiterster Grazie, findet. Je
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