Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 32. Band.1915
Seite: 389
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LEBERECHT MIGGE EHRENFRIEDHOF DER MARINE IN WILHELMSHAVEN

DER EHRENFRIEDHOF DER MARINE

Als ich die Aufforderung erhielt, mich an
L dem Ausbau des neuen Garnison-Friedhofes
in Wilhelmshaven zu beteiligen, da drängte
sich der Gedanke förmlich auf, hier eine
Stätte zu planen, an der die kriegsgefallenen
Angehörigen unserer jungen, ruhmvollen
Marine mit Ehren zur Ruhe gebettet werden
könnten. Die Idee eines solchen Ehrengartens
fand vollen Anklang bei den zuständigen
Stellen, sodaß wir, damals bereits im vorgeschrittenen
Frühjahr, flott ans Werk gehen
und mit Hilfe schnell abkommandierter Abteilungen
von Matrosen und Seesoldaten alles
Notwendige gut vollenden konnten.

Wie so der Plan aus Ansätzen förmlich unter
den Händen entstand und, Stück vor Stück,
sich zu seiner heutigen etwas ungewöhnlichen
Gestalt rundete, das fordert beinahe zu ein
paar entschuldigenden Bemerkungen grundsätzlicher
Natur heraus. Es ist wahr, an die
Vorbilder unserer bekannteren Friedhofanlagen
oder neueren Projekte habe ich mich mit diesem
Werk nicht „angelehnt". Aber ebensowenig
kommt darin zum Ausdruck jene gewisse,
passiv-melodiöse Stimmung und handgreiflich
platte Willensrichtung zugleich, wie sie in der

Forderung nach „Heldeneichen", „Krieger-
mälern" u. a. gefährlich laut durch die deutschen
Gaue irrte. Ein Rausch, so menschlich
begreiflich, so schön in seiner Art —
für die Berauschten. Um aber Die, die es
eigentlich angeht, unsere lieben Gebliebenen
durch Schönheit zu ehren, durch bildhaft helle
Wirklichkeit ihrer Liegestätte das Erinnern
an sie und ihre Taten wach und stark zu erhalten
— dafür hilft nichts anderes, als die
Sache selbst auf den Schild zu erheben, das
Ding an sich in seltener Form zu steigern.
Wie solches immer war.

Kapelle- und Eingangsbauten richteten die
Hauptachse, die tiefen Buchtungen der Grundstücksgrenzen
die anderen. Für meinen Ehrenfriedhof
aber waren jene beiden Massengräber
im weitesten Sinne tonangebend, wie ich sie als
frische, noch formlose Hügel vorfand. Ihre
traurige Ausdehnung war es, die erst das
blicknotwendige Einrücken der säumenden
Hecken bewirkte, hin zum Kreuz von Stein
an der Quelle. Diese charakteristische Bewegung
, einmal in Fluß gebracht, fand dann
ihre natürliche Fortsetzung auch außerhalb
des Ehrengartens, wo die von den eigentüm-

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