Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 1
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FRANZ v.STUCK TILLA DURIEUX ALS CIRCE

Copyright 1913 Franz Hanfstaengl, München

NEUE ARBEITEN VON FRANZ VON STUCK

Von Fritz von Ostini

Die Zeit ist hart, schwer, ehern. Und in
dieser Zeit, da von allen Seiten durch
Uebermacht und Verrat bedroht, unsere Brüder
und Söhne die Waffen führen, wirds Einem
wahrlich nicht leicht, von Kunst und Kultur
zu sprechen. Es sieht aus, als ginge dies
Toben von Osten und Westen auf die Vernichtung
aller Kultur überhaupt aus. Und doch
kann auch für unsere Kunst diese wilde Zeit
einen Wendepunkt zum Besseren bedeuten,
wenn unsere gute Sache siegt, kann Klärung
schaffen nach langer Wirrnis, die phrasenreiches
Aesthetentum über die Kunst gebracht,
kann uns erlösen aus würdeloser Ausländerei.
Ein Volk, das so einig und mannhaft aufsteht
in der Stunde der Gefahr, mit so viel
opferfroher Würde und durch wahre Kultur gebändigter
Kraft, hat auch das Recht und die
Pflicht, in der Kunst seine eigene Sprache zu
reden. Und wird es fürder tun, was kommen
mag. Unsere Kunst wird wieder deutsch werden
, so oder so!

Unsereinem tut's wohl, hier von einem Künstler
sprechen zu dürfen, der immer deutsch
geblieben ist, der, ob er für den Tag schuf
oder für die Dauer, keine Zugeständnisse an
die Wünsche der Mode machte, sondern trotzig
er selber blieb. Das Deutschtum Franz von
Stucks liegt nicht im Oberflächlichen. Er ist
deutsch im Kern, herbe, fest und froh. Immer
klar, immer gegenständlich in dem Sinne, daß
er nicht in ästhetelnden Spielen sich vergnügte,
sondern was zu sagen wußte. Er hat die Form
stets greifbar sicher hingestellt und es liegt in
seiner Art, daß er, malend oder formend, immer
Plastiker und Maler zugleich war. Auch das
ist deutsch an ihm, daß er seit Jugendtagen
das Land der Griechen mit der Seele gesucht
hat. Er hat es auch gefunden und man durfte
schon längst ruhig behaupten, kein lebender
Künstler habe das Wesen der Antike besser
erkannt, als er. Wie sehr das zutrifft, zeigte
sich so recht, als er im November 1913 das
Modell seiner speerschleudernden Amazone in

Die Kunst für Alle XXXI. 1/2. 1. Oktober 1915

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