http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0027
FRANZ v. STUCK
RINGELREIHEN
Copyright Franz Hanfstaengl, München
kommenheit erreicht, der Ausdruck strotzender
junger Lebensfülle, die sich austoben muß!
Dazwischen greift der Maler, wo es der Stoff
will oder erlaubt, geruhig auch wieder nach
den Ausdrucksmitteln, die ihn einst als jungen
Maler der Welt bekannt gemacht. So konnte
das leidenschaftdurchglühte Bild von 1910 mit
dem nackten Paar in der Mondnacht, das sich
unter einem Dach von Sterngefunkel und beim
Schein von Glühwürmchen so innig umschlungen
hält, recht gut mit in jener ersten Kollektivausstellung
Stucks zu Ende der achtziger
Jahre erschienen sein, ebenso die große Gruppe
aus dem Tartarus, die wir vor ein paar Jahren
in der Münchener Secession gesehen haben
und in der es dem Künstler gefiel, Anklänge
an seinen Luzifer, seine Sünde u. a. in interessanter
Weise mit neuen Motiven von Schuld
und Leiden zu verbinden. Die „Bathseba" von
1912 und die um ein Jahr ältere „Belauschte
Nymphe" behandeln malerisch verwandte, stofflich
sehr verschiedenartige Gegenstände. Dort
ein dämonisches Weib, seiner Schönheit bewußt
und bereit seinen Preis dafür zu fordern,
dem Bade entsteigend und mit Willen belauscht
— hier im kühlen Quell eine Schöne
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