Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 21
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0047
neuerdings öfters sehr feine, duftige Malwerke
seiner Hand, die von seiner früheren Art stark
abweichen.

Eine Kunst, die aus eigener Kraft ohne
marktschreierische Anpreisung so stark und
dauernd zu fesseln vermag, ist es wohl wert,
einmal in ihren Hauptwerken zusammenhängend
betrachtet zu werden. Wenn dieser Ueber-
blick auf Paeschkes Leistungen im graphischen
Gebiet beschränkt bleiben soll, so liegt dies
in dem Umstände begründet, daß seine graphischen
Arbeiten am klarsten seine künstlerische
Individualität enthüllen und zugleich auch Aufschluß
über seine Bestrebungen als Maler geben
, ist doch sein ganzer künstlerischer Entwicklungsgang
auf einer außerordentlich sorgfältigen
Ausbildung seiner zeichnerischen Fähigkeiten
aufgebaut.

In Berlin im Jahre 1875 geboren, war Paeschke
zunächst dazu bestimmt, sich in einem mehrjährigen
Lehrkurs der Königlichen Kunstschule
die vorgeschriebene Handfertigkeit für das
Zeichenlehrerexamen anzueignen. Erst nachdem
so eine sichere Basis für die Zukunft geschaffen
war, konnte er an die Verwirklichung
seiner Künstlerträume denken. Wahres Talent
läßt sich auch durch künstlerische Frondienste

nicht abschrecken; so bezog er denn um 1900
von neuem die hohe Schule, um in echt deutscher
Gründlichkeit in sechs langen Studienjahren
an der Berliner Akademie die verschiedenen
Stadien der akademischen Ausbildung
zu durchlaufen. Als Meisterschüler erfreute er
sich dann noch sechs weitere Jahre hindurch
einer mehr freundschaftlichen Unterweisung des
bekannten Radierers Professor Karl Koepping.

Ein so langsames, fast altmeisterliches Ausreifenlassen
künstlerischer Anlagen wird heutzutage
vielfach als überflüssig betrachtet. Namentlich
der eitle Dilettantismus, der sich in
unseren Tagen in der bildenden Kunst so aufdringlich
bemerkbar macht, wähnt die Entfaltungsmöglichkeit
seiner persönlichen Eigenart
durch einen tüchtigen Schulsack gefährdet.
Unsere schnellfertige Künstlerjugend, der guten
Tradition weniger als aufsehenerregenden rasch
wechselnden Modeströmungen zugetan, strebt
in hochmütiger Geste müheloser zu erreichenden
Idealen nach. Bei Paeschke hat die Selbstbescheidung
, die gleichmäßige, eine virtuose
Einseitigkeit vermeidende Durchbildung die
schönsten Früchte getragen. Es mag seinem
starken Temperament nicht gerade leicht gefallen
sein, sich so lange schulmäßige Fesseln

PAUL PAESCHKE RODELSPORT (RADIERUNG)

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