http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0069
CHRISTIAN LANDENBERGER
Von Julius Baum
In der Neuen Pinakothek zu München hängen
, einander benachbart, zwei Darstellungen
eines leuchtend blauen Sees mit badenden
Knaben im goldenen Sonnenschein. Nicht leicht
wandert man achtlos an diesen Bildern vorüber.
Sie strahlen einen eigenen Zauber aus, dem
kein Empfänglicher sich entziehen kann.
Der Kenner wird sie vielleicht zunächst auf
ihre technischen Eigenschaften hin prüfen.
Es sind Leistungen der Freilichtmalerei von
außerordentlicher Güte. Auch von Liebermann
haben wir zahlreiche Darstellungen dieser Art.
Darin hat er, schreibt Gustav Pauli, „das letzte
Wort von impressionistischer Malerei gesprochen
. Hier ist es nicht irgendwelche Einzelerscheinung
, die hervorgehoben werden soll,
und an der das Interesse haftet, sondern alle
Teile des Bildes, die Menschen, der helle
Strand und das Meer mit seinen weißen Brandungskämmen
, schließen sich zu vollkommener
Einheit zusammen." Dieses Urteil läßt sich
ohne weiteres auf Landenberger übertragen;
und es ist, bei einer Vergleichung etwa der
Badenden Buben Landenbergers mit Liebermanns
Reitern am Strande, die ebenfalls in
der Pinakothek aufbewahrt werden, besonders
reizvoll zu sehen, wie jeder der beiden grundverschiedenen
Künstler seine Aufgabe so restlos
löst, daß man bei Liebermann geradezu
den scharfen salzigen Wind an der holländischen
Küste, bei Landenberger die stille, linde, warme
Luft am Ammersee zu verspüren meint. Lan-
Die Kunst für Alle XXXI. 3/4. 1. November 1915
41
ü
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0069