http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0096
ADOLF OBERLÄNDER
VOR DEM DORFWIRTSHAUS (1910)
sonst etwa noch kreucht und fleucht oder ein
vierbeiniges Dasein führt. In sicheren, festen
Linien, mit starker Betonung der Kontur, sind
die Tiergestalten umrissen; diese Zeichnungen
sind, namentlich wenn sie Bewegungen festhalten
, Augenblicksprodukte und künden von
einer eminenten Aufnahmefähigkeit des Auges,
das auch auf die feinsten, blitzschnell vorbeihuschenden
Bewegungsreflexe reagiert. Irgendeine
„Idee" liegt diesen Zeichnungen nicht zugrunde
, wenigstens nicht bewußtermaßen. Sie
sind Feststellungen, „Material ".Es regiert strengste
Sachlichkeit, dieanthropomorphischen Züge,
die man auf den Tierkarikaturen Oberländers
findet, sucht man vergebens (Abb. S. 64/65).
In der sogenannten „Oberländer-Mappe",
die vor mehr als einem Jahrzehnt im Verlag
von Braun & Schneider in München erschien,
waren von jenen Gemälden aus der Frühzeit
des Künstlers keine Reproduktionen anzutreffen
. Vielleicht weil die Originale meist ins
Ausland gegangen und für Oberländer selbst
nicht mehr erreichbar waren, wahrscheinlich
aber, weil der Künstler mit den auf den Blättern
der Mappe vervielfältigten Werken eine
geschlossene Stimmung bewirken wollte, weil
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