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urwüchsige und bodenständige bayerische Meister,
der vor etwa Jahresfrist allzu früh aus einem
erfolgreichen Wirken abberufen wurde, hatte lange
Jahre sein Zelt in dem zur Dachauer Gemeindeflur
gehörigen Weiler Mitterndorf aufgeschlagen
und hatte das Wesen der Dachauer Bauern wie
sein Freund Ludwig Thoma im tiefsten erkannt
und gar manches Mal in bewundernswerter Weise
ausgeformt. Dachau und sein volkstümliches Wesen
erfüllten völlig Taschners Kunst und so war er
wirklich der berufene Mann, dieses Brünnlein als
schmucke Zier seiner zweiten Heimat zu schaffen.
Der Krieg hat es wohl mit sich gebracht, daß sich
die Ausführung des Taschnerschen Entwurfs verzögerte
: es konnte also die Aufstellung des Brunnens
erst erfolgen, als auf Taschners Grab in Dachau
schon die Blumen erblühten, — wie ein Gruß
aus dem Grab, ein Gruß Taschners an sein geliebtes
Dachau, mutet das Werk an. In oberbayerischem
rotbraunen,reich geäderten Marmor ist derBrunnen
ausgeführt. Auf einem Unterbau, der die Differenz
der ansteigenden Straße ausgleicht und zugleich
den Brunnen selbst stattlich heraushebt, ruht das
achteckige Brunnenbecken, dessen Wände durch
Schlicht ornamentierte Füllungen aufgeteilt sind.
In reicher Gliederung steigt aus der Mitte des
Beckens die Brunnensäule mit den vier Wasserspeiern
auf, darüber sind in Reliefart vier charakteristische
Dachauer Gestalten, zwei Männlein und
zwei Weiblein, aus dem Stein herausgemeißelt:
besonders typisch ist der Bauer mit der Sau. Die
Bekrönung der Säule bildet der Löwe mit dem
bayerischen Rautenwappen. An passender Stelle
ist die Jahreszahl 1914—1915 angebracht als stolzes
Zeichen, daß sich die kunstfreundlichen Dachauer
Gemeindeväter auch durch die Kriegszeit nicht
abhalten ließen, ihren Marktflecken mit dem Werke
eines Künstlers zu schmücken, der die heimische
Bauweise aufs genaueste kannte und die für diesen
Fleck Erde geeignete Kunst zu meistern verstand.
PAUL MEYERHEIM f
Mit Paul Meyerheim, der am 13. Juli 1842 zu
Berlin geboren wurde und dessen Tod die
Zeitungen am 15. September meldeten, hat Berlin
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