Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 81
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AUS MENZELS JUGEND

ZUR HUNDERTSTEN WIEDERKEHR SEINES GEBURTSTAGES AM 8. DEZEMBER 1915

Von G. J. Kern

Für eine Feier, die der Verein Berliner Künstler
1884 zu Ehren Adolph Menzels veranstaltete
, hat Max Klinger ein Festblatt geschaffen
: Auf einem von Meereswogen umbrandeten
Riff stehen, die Rücken gegeneinander
gestemmt, vier herkulische nackte Männer.
Ein urweltlicher, in Sonnengluten entschwindender
Riese legt auf ihre Schultern einen
Felsblock. An der Vorderseite des Steins prangt
in großen Schriftzügen der Name „Menzel".
Aus dem Gischt des bewegten Meeres tauchen
üppige Frauenkörper auf, während Masken
griesgrämiger Professoren im Rahmenwerk
einer Blättergirlande baumeln. Und als hätte
der Schöpfer des Blattes einen Schleier lüften
wollen, der Menzel den Augen seiner Mitwelt
noch verbarg, gab er dem oberen Abschluß
der Darstellung die Gestalt eines aufgezogenen
Vorhangs.

Was damals schon von dem Zunftgenossen
in seiner ganzen Bedeutung erkannt war, das

Gigantische in Menzels Künstlernatur, das
kam dem deutschen Volke zum Bewußtsein,
als die Menzel-Gedächtnisausstellung in der
National-Galerie ihre Tore öffnete. Es war
1905, kurz nach dem Tode des Meisters. Das
dreistöckige große Gebäude, das die Hauptwerke
aller deutschen Künstler des 19. Jahrhunderts
aufnehmen soll, erwies sich beinahe
als zu klein, um darin das Lebenswerk dieses
einen Mannes würdig zur Aufstellung zu bringen
. Nahezu 7000 Nummern enthielt der Katalog
; unter ihnen befanden sich Bilder großen
und größten Umfanges! Vergebens fragte
man sich, wie es möglich sei, daß ein einzelner
all das geschaffen, was hier an Zeichnungen
, Lithographien, Radierungen, Aquarellen
und Oelgemälden vereinigt war. Sollte man
mehr die ans Unbegreifliche grenzende Kraft
oder den unerhörten Fleiß bewundern? Die
künstlerische Qualität der Leistung wirkte
überwältigend. Man mochte Menzel lieben oder

Die Kunst für Alle XXXI.-; 5/6. 11. Dezember 1915

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