Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 103
(PDF, 130 MB)
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Körperliche oder Stoffliche, bei Landschaften
Raum und Stimmung, bei Personen das Phy-
siognomische. — Den Höhepunkt der Leistung
bezeichnen wohl die gezeichneten Architekturen
Menzels. Man könnte über sie ein Buch
schreiben, ohne befürchten zu müssen, ihre Bedeutung
zu übertreiben. Die Gebäulichkeiten,
fast immer in landschaftlicher Umgebung dargestellt
, sind von Licht und Luft umflossen und
dabei in allen Einzelheiten wie Organismen mit
dem feinsten architektonischen Verständnis aufgefaßt
. Wie dabei der Stil der Baulichkeiten
— meist sind es ja Rokokobauten — und das
besondere architektonische Gefühl wachgerufen
ist und in den mit beispielloser Sicherheit
gezogenen Linien zum Ausdruck kommt,
das kann manchen Kunsthistoriker beschämen
, der zwar äußere Merkmale kennt, aber
von dem Geist der vergangenen Zeiten wenig
verspürt.

Alles Sichtbare war Menzel für seinen Stift
willkommen; es gibt keinen Gegenstand, der
so unbedeutend gewesen wäre, als daß er den
Künstler nicht zur Wiedergabe hätte reizen

können. In einem Scherzgedicht hat Fontane
die Frage: „Wer ist Menzel?" durch eine lustige
Aufzählung der Hauptmotive seiner Kunst
beantwortet:

„Menzel ist sehr vieles,
Um nicht zu sagen alles; mind'stens ist er
Die ganze Arche Noäh, Tier und Menschen,
Putthühner, Gänse, Papagein und Enten,
Schwerin und Seydlitz, Leopold von Dessau,
Der alte Zieten, Ammen, Schlosserjungen,
Kathol'sche Kirchen, italienische Plätze,
Schuhschnallen, Bronzen, Walz- und Eisenwerke
,

Stadträte mit und ohne goldne Kette,
Minister mißgestimmt, in Cachemirehosen,
Straußfedern, Hofball, Hummermayonaise,
Der Kaiser, Moltke, Gräfin Hahn und Bismarck
.

Am liebsten aber gibt die Welt er wieder,
Die Fritzen-Welt."____

Die „Charakteristik" ist auf den älteren Menzel
gemünzt, paßt aber in gewissem Sinne auch
für den jungen Künstler.

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