Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 104
(PDF, 130 MB)
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Man lernt Hochachtung vor diesem Fleiß und
diesem Gefühl der Verantwortlichkeit gegenüber
der gestellten Aufgabe, vor dieser immer
wachen Empfänglichkeit des Auges, der Bereitschaft
der Hand, jedem Eindruck Form zu geben
, und man wird warm durch die Stärke der
Empfindung, die alles Lebende und Leblose
umfaßt. In späteren Jahren freilich hat Menzel
sich mehr und mehr von den Zielen abgewandt
, die ihm einst vorschwebten. Je älter
er wurde, desto kühler und nüchterner wurden
seine Schöpfungen. Das Feuer der sinnlichen
Leidenschaft, das die Werke seiner
Frühzeit durchglühte, ließ nach; die Liebe
wich einer mehr verstandesmäßigen Betrachtung
. Es mag sein, daß Verluste nach der

Seite der Innerlichkeit durch Gewinne in anderer
Richtung eingebracht wurden: ist Menzel
doch ein Bahnbrecher auch für die Malerei
geworden, die dem Leben der modernen
Menschheit und ihrer Arbeit ihre Impulse
entnahm: auch der Menzel aus dieser Zeit
fordert höchste Bewunderung. Unserer Zeit
aber, die alle unverbrauchte Tüchtigkeit unseres
Volkes aufruft, damit es seinen Platz
in Ehren behaüpte, liegt es näher, den
Mann in seiner vollen Jugendkraft hinzustellen
: als ethisches Ideal, das Eigene zu
entwickeln, vom Fremden das Beste aufzunehmen
, es innerlich zu verarbeiten und mit
Anspannung aller Kräfte dem Ziele zuzustreben
.

A. VON MENZEL

PFERDEKOPF (1848)

104


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