Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 105
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EMIL PREETORIUS

^ LITHOGRAPHIE ZU EICHENDORFFS
„AUS DEM LEBEN EINES TAUGENICHTS"

EMIL PREETORIUS' NEUESTE BUCHILLUSTRATIONEN

Von Karl Voll

Als sechsten der berühmten Hyperiondrucke
L hat der Verlag Hans von Weber in
München eine Neuausgabe von Eichendorffs
Taugenichts mit eingedruckten Originallithographien
von Emil Preetorius erscheinen
lassen. Bisher hatte Preetorius in der Regel
seine Zeichnungen nicht in einem Originalverfahren
veröffentlichen lassen und war dadurch
zu einer eigenartigen Stilisierung veranlaßt
, nach der man wohl nicht allgemein den
Eindruck gewonnen hat, daß er der geeignete
Mann sei, ein von Stilisierung so freies Buch
wie Eichendorffs taufrische Novelle zu illustrieren
. Er hat aber die Aufgabe übernommen
und ausgezeichnet gelöst. Was das besondere
Verdienst der heiteren Erzählung ist, die künstlerische
Sorglosigkeit der Stimmung, hat Preetorius
durchaus richtig erfaßt und er hat darum
mit gutem Takt alles vermieden, was man gewöhnlich
„witzig" nennt. Die Fröhlichkeit der
Bewegung in Eichendorffs Tempo charakterisiert
auch die Lithographien von Preetorius,
von denen wir als der Haltung des Textes besonders
adäquat hier den Einzug des musikalischen
Torschreibers in Rom reproduzieren.
So ist durch Preetorius diese Ausgabe des
Taugenichts wohl das feinste gegenwärtige
deutsche Buch geworden.

Eine nicht minder erfreuliche Gabe verdanken
wir dem gleichen Künstler und dem gleichen
Verlag: Als 21. Hundertdruck erschien vor
kurzem gar nicht kriegsmäßig, aber mit bestem
Glück ausgewählt Jean Pauls gemütliches
Idyll vom „vergnügten Schulmeisterlein Maria
Wuz in Auenthal", geschmückt mit einigen,
leider nur wenigen, ausgemalten Zeichnungen
von Emil Preetorius. Diese treffen den etwas
schnurrigen, aber so herzig behaglichen Ton
von Jean Pauls Erzählung gerade so gut, wie
den von Eichendorffs Taugenichts. Das ganze
bei Breitkopf & Härtel in Leipzig aufs sorgfältigste
gedruckte Buch ist ohne Altertümelei
doch dem Stile der Zeit genau und äußerst
geschickt angepaßt, so daß seine Aufmachung
selbst schon die Gemütlichkeit verrät, die der
Text uns übermitteln soll. Diesem sehr großen
typographischen Verdienst entspricht nun auch
der Charakter der von Preetorius geschaffenen
Zeichnungen und die diskrete, mit der Hand
ausgeführte Bemalung der Blätter bilden einen
menschlich überaus liebenswürdigen und künstlerisch
wertvollen Teil des sehr reizvollen
Büchleins.

Es mag übrigens bei dieser Gelegenheit noch
auf einige andere verdienstvolle Neuheiten des
Hans von Weberschen Verlags, dem die Biblio-
philenwelt so Ausgezeichnetes verdankt, hingewiesen
sein. So erschien als 5. Hyperion-

Die Kunst für Alle XXXI.

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