Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 136
(PDF, 130 MB)
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ZU WILHELM VON BODES 70. GEBURTSTAG

Wilhelm von Bode, der Generaldirektor der
Königl. Preußischen Museen, wurde am 10. Dezember
70 Jahre alt. Es erübrigt sich, bei dieser
Gelegenheit die reichen Ergebnisse seiner vielseitigen
Tätigkeit als Kunstforscher, seine zahlreichen
wissenschaftlichen Werke und seine Taten
als Museumsbeamter aufzuzählen, um einen Begriff
von der Bedeutung Bodes zu geben. Seine
überragende Stellung unter den Kunstforschern
wird weit über die Grenzen
Europas hinaus in
so hohem Maße anerkannt
und sein Name ist
in Deutschland bereits so
populär, daß man nicht
erst durch Aneinanderreihung
der Taten und
Werke den Ruhm Wilhelm
von Bodes ausführlich
zu begründen
braucht. Immerhin ist
es verlockend, von diesem
festgegründeten und
allgemeinen Ansehen
ausgehend, das Lebenswerk
Bodes zu zergliedern
, sich rückblickend
bewußt zu werden,
welche bedeutsamen Leistungen
dazu geführt
haben, daß der Name
Bode einen so ruhmvollen
Klang erhielt.

Die Berliner Museen
können nicht wie die
aus altem fürstlichen Besitz
hervorgegangenen
Sammlungen in München
und Dresden, in Kassel
und Braunschweig oder
wie altberühmte Kunstsammlungen
außerhalb
Deutschlands auf eine
lange Vergangenheit zurückblicken
, ihr Kunstgut wurde nicht in jahrhundertlanger
müheloser Sammeltätigkeit zusammengebracht
. Wenn sich heute die Berliner Sammlungen
trotzdem neben den berühmtesten Museen
der Welt als gleichwertig behaupten können, so
ist dies das Verdienst Bodes. Er erkannte die
Bedeutung von vielen heute gefeierten Meistern
und Kunstperioden schon zu einer Zeit, als diese
noch nicht allgemein begriffen und geschätzt

genialen Erkenntnis war
verhältnismäßig geringen
Werken zu erwerben, die
inzwischen weltberühmt geworden sind und deren
heutiger Marktwert die geringe Ankaufssumme
weit übertrifft. Die alten Museen reichten bald
nicht aus, um alle neuerworbenen Schätze bergen

Phot. Photogr. Gesellschaft, Berlin

wurden. Dank dieser
es ihm möglich, mit
Mitteln eine Fülle von

und würdig zur Geltung bringen zu können. Das
1904 vollendete Kaiser Friedrich-Museum und die
großen Bauten, die jetzt auf der Museumsinsel und
in Dahlem entstehen, charakterisieren nach außen
hin in glänzender Weise den Aufschwung, den die
Berliner Museen unter Bodes Leitung genommen
haben. Bode wandte aber seine Tätigkeit nicht nur
den Berliner Museen zu, er versorgte auch Provinzmuseen
und die hervorragenden Berliner Privatsammlungen
, deren Entstehung
zumeist den Anregungen
Bodes zu verdanken
ist, mit Kunstwerken
.

Führten ihn seine umfassenden
kunsthistorischen
Kenntnisse dazu,
günstige Erwerbungen
zu machen, so regte ihn
anderseits die unübersehbare
Fülle der Objekte
, die ihm während
seiner 43jährigen Museum
stätigkeit vor Augen
kam, wieder um zu erneuten
Forschungen an,
die sich auf viele Gebiete
erstrecken. Bode ist
nicht nur der eigentliche
Schöpfer der Berliner
Sammlung christlicher
Bildwerke, er hat auch
zugleich über die deutsche
Plastik das erste
grundlegende Werk verfaßt
und in Büchern und
Aufsätzen seine Forschungsergebnisse
über
italienischeRenaissance-
skulpturniedergelegt. In
gleich starkem Grade
wandte er seine Liebe
und seine erfolggekrönte
Forschertätigkeit Rem-
brandt und seinen Zeitgenossen, der vorderasiatischen
Knüpftechnik, italienischen Hausmöbeln der
Renaissance, toskanischen Majoliken, deutschen
Künstlern wie Elsheimer und Strigel und italienischen
Malern zu. Daneben veröffentlichte er Galerie-
werkeüber die Sammlungen in Oldenburg, Schwerin,
über die Wiener Liechtensteingalerie, über Berliner
Privatsammlungen und er nahm auch zu den
Problemen des modernen Kunstgewerbes und der
neuen Malerei in temperamentvollen Aufsätzen
Stellung.

Inmitten einer rastlosen Tätigkeit tritt Wilhelm
von Bode in das achte Jahrzehnt seines Lebens mit
neuen Plänen für die Zukunft ein, die zu vollenden
ihm in noch vielen glücklichen Jahren beschieden
sein möge.

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