http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0182
PHILIPP FRANCK
Ausstellung der Berliner Secession
FRÜHLING
Hans Thoma, der mit einem liebevoll durchgezeichneten
„Sommertag" vertreten ist, und
Adolf Oberländer, von dem man mehrere
empfindungsvolle Bildchen sieht, nehmen durch
ihre stille und beschauliche Art eine Sonderstellung
ein. Lesser Ury kommt mit einem
frühen Bilde, das die belebte Straße „Unter den
Linden" an einem feuchten Tage zeigt, besser
zur Geltung als mit späteren Schöpfungen. Auch
in dieser frühen Straßenansicht steckt schon ein
Stück süßlicher Allers, sie ist aber ungleich wertvoller
als die beiden weichen und bunten holländischen
Landschaften und als das grob heruntergemalte
Sintflutbild. Daß man in einer Seces-
sionsausstellung, in der es an den Wänden bunt
und laut hergeht, auch durch Schlichtheit und
gediegenes Handwerkdie Aufmerksamkeit stark
auf sich lenken kann, beweist Leo von König
mit drei schönen dunklen Bildnissen, die an
dieser Stelle fast wie alte Meisterwerke wirken
(Abb. S. 141). Lovis Corinth, von dem man
in der letzten Zeit viele zerfahrene Schöpfungen
zu sehen bekam, überrascht angenehm
durch sein Stilleben „Obst und Pfefferlinge",
das straff und kräftig gemalt ist und saftig im
Ton wirkt (Abb. S. 138). Sein Doppelbildnis
ist beachtenswert; schlimm sind aber ein formloses
großes Blumenstilleben und ein derb hingestrichenes
Potipharbild, in dem nur der Kopf
der Frau die sinnliche Malart guter Corinth-
werke aufweist. PhilippFranck,KarlStrath-
mann und Emil Pottner halten mit ihrem eng
begrenzten Können gut Haus und sie bleiben
ihrer persönlichen Nuance treu. Strathmann
zeigt in seiner pointillistischen Technik ein
dekorativ stilisiertes Blumenstilleben und eine
hübsche Frühlingslandschaft (Abb. S. 146), Pottner
stellt ein unausgeglichenes Selbstbildnis und
eine flaue Hahnenkampfszene aus. Als Plastiker
kommt Pottner mit einer Reihe buntschillernder
Tiergruppen aus farbig glasiertem
Steinzeug besser zur Geltung (Abb. S. 147).
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