http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0184
ADOLF v. MENZEL
JOSEF JOACHIM UND CLARA SCHUMANN
Ausstellung der Berliner Secession
Philipp Franck ist mit zwei kräftig angepackten
Landschaftsbildern zur Stelle, von denen das
temperamentvolle Gemälde „Frühling" am gelungensten
ist (Abb. S. 142). Ein neuer Mann
ist Robert F. K. Scholtz; seine Technik, die
sehr an Slevogts prickelnden Vortrag erinnert,
ist nicht neu. Schließlich sei noch ein feines
Bild von dem verstorbenen Dresdener Wilhelm
Claus genannt, das eine lichtdurch-
flossene Backstube darstellt.
Die neueste Richtung in der Malerei ist
leider durch keine starke Persönlichkeit vertreten
. Willi Jaeckel erregt mit der großen
Komposition „Sturmangriff" einiges Aufsehen.
Er gibt die Schrecknisse des Krieges in einer
realistischen Art wieder, die fatalerweise an
Wiertz und Wereschtschagin erinnert; die verkrampften
Bewegungen der Figuren können
nicht darüber hinwegtäuschen, daß der Aufbau
des Bildes recht akademisch ist. Origineller
und überzeugender wirken drei große
Bilder von Franz Heckendorf. Sein „Ueber-
gang über die Angerapp" bringt die Stimmung
des Krieges und die Bewegungen der Massen
anschaulich zum Ausdruck (Abb. S. 139).
Georg Walter Rössner lenkt durch die
lebhaft gegliederte schwungvolle Komposition
„Schiffer und Bauern" (Abb. S. 140) und
durch ein feines Damenbildnis die Aufmerksamkeit
auf sich.
Unter den Plastikern steht Franz Metzner
obenan (Abb. S. 143). Viele seiner Bildwerke
sind als Schmuck von Bauten geschaffen und
rechtfertigen somit die Verwendung breiter
glatter Flächen und ganz einfacher Umrißlinien
. Leider sind aber auch unter seinen
kleineren Plastiken nur wenige, die sich durch
gegliedertere Haltung und vertieften Ausdruck
von solchen überstilisierten dekorativen Gebilden
unterscheiden. Von Martin Müller
fällt der ausdrucksvolle Torso eines schön
bewegten weiblichen Aktes auf (Abb. S. 137).
Das „Stehende Mädchen" von Fritz Huf ist
eine talentvolle Arbeit, reicht aber nicht an des
Künstlers gute Porträtköpfe heran.
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