http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0200
tung, die der von größeren Problemen ergriffene
Künstler wahrt, ist eine seltene und
wohltuende Eigentümlichkeit.
Endlich ist wahr: er fiel im Krieg, als er
anfing, seine Kunst zu vollenden. Seine Kunst
ist Fragment. Die Tragik dieser Fügung wird
für jedes seiner Bilder, am meisten für die
spätesten, zur Glorie.
Sein Werk, das in sich selbst ein beträchtliches
Maß von Klärung erreicht hatte, empfängt von
seinem menschlichen Schicksal den Adel des
Fertigen. Täglich mehr schließen sich dem
nachtrauernden Blick Mensch und Bild zu einer
festen Tatsache zusammen. Deutlicher von Tag
zu Tag wird die Stellung sichtbar, die dieser
Tatsache im Zusammenhang deutscher und allgemeiner
Kunstgeschichte eingeräumt ist. Beide
— Mensch und Werk — bezeichnen trotz aller
Vorbehalte, die wir und sie selber machen
mögen, mit nicht gewöhnlichem Nachdruck den
historischen Augenblick, in dem die deutsche
Kunst und alle gute Kunst, emporstrebend vom
Naturalistischen, vom Technischen, vom Zünftig
-Lokalen und von einer mehr literarischen
als formalen Größe, zu einem Gipfel europäischer
Freiheit und wirklich fühlender Anschauung
anstieg: beide bezeichnen eindringlich die
Kunst vom Vorabend des Kriegs.
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