Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 163
(PDF, 130 MB)
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deren Gestaltung ein sinnliches Erlebnis der primäre
Anlaß war, zu denen der Künstler durch
farbige und lineare Erscheinungen und nicht durch
eine poetische Idee angeregt worden ist. Wenn
Thoma in einer idyllischen Landschaft, die um des
schönen farbigen Klanges des tiefblauen Himmels
und einer grünen Wiese willen gemalt worden ist,
zuletzt noch die heilige Familie anbringt, oder vor
einen prachtvoll gemalten dunkelgrünen Waldabhang
einen verträumten Eichendorffschen Waldhornbläser
setzt, so fassen solche Figuren nur
nochmals die Stimmung symbolisch zusammen,
die schon durch die Mittel der Malerei im Bilde
erreicht worden ist. Sie erwachsen aus der malerischen
Stimmung als etwas Natürliches und sind
keine äußerlichen literarischen Zutaten. Und so
sieht man hier friedliche Täler, die von einem silbern
schimmernden Bach durchflössen sind, Ebenen
, über denen behäbige Wolken lagern, Landschaften
vom Rhein, aus dem Schwarzwald und
vom Main, die alle vorzüglich gemalt sind, und
aus denen zugleich die Weise eines Volksliedes
oder die Stimmung eines Märchens herausklingt,
ohne daß diese Stimmungen durch Vorgänge stofflicher
Art aufdringlich erläutert worden sind. —
Die durch den Krieg angeregte intensive Beschäftigung
mit der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts
hat zu einigen merkwürdigen „Entdeckungen
" geführt: es tauchten in Berlin von Ludwig
Knaus, Paul Meyerheim und Louis Kolitz, von
Anton von Werner, Christian Kröner und anderen
mäßigen Künstlern überraschend gute Jugendwerke
auf, die in der malerischen Qualität an
Werke des Leibi-Kreises erinnern. Es wäre töricht,
wenn man aus diesem Grunde etwa Meyerheim
auf eine Stufe mit Leibi, Trübner oder Schuch stellen
wollte. Die geniale Fähigkeit dieser Künstler
beruht nicht zuletzt darauf, daß sie zeitlebens
Kraft und Einsicht besaßen, künstlerisch Niveau
zu wahren und ihre großen Anlagen immer
reiner zu vervollkommnen, während jene anderen
Maler nur allzu rasch von dem durch die
Genialität der Jugend erreichten Niveau energielos
herabsanken und dem Geschmack des Publikums
entgegenkamen. Auch R. DAMMEIER, der
augenblicklich bei Schulte mit älteren Arbeiten die
Aufmerksamkeit auf sich lenkt, gehört zu diesen
Naturen. Sein „Biergarten in Bogenhausen" mit
dem duftigen Blätterwerk und dem Spiel der huschenden
Lichter, ein flockig und fließend gemalter
hellgrüner „Klostergarten aus Hall" oder der
„Klosterhof in Gries" sind für die Zeit ihrer Entstehung
überraschend gut und fortschrittlich gemalt
. Es ließen sich noch mehrere ganz an-

ALBERT WEISGERBER f

KNABE MIT MASKE

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