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CÄCILIE GRAF
IM ALTEN PARK (ÖLGEMÄLDE)
bei Gelegenheit gewisser Feiertage verknüpft
blieben. So gab es in Venedig Himmelfahrts-,
in Neapel Fronleichnamsausstellungen; übrigens
hielten Kirchenfest und Markt auch hier gute
Geschwisterschaft, und was zur Ehre der Heiligen
ausgestellt wurde, bot sich wohl zum Teil
auch den Kauflustigen an.
Die italienische Renaissance hat dann einen
neuen Zug in die Geschichte der Kunstausstellungen
hineingetragen, indem sie die Kunstausstellung
als Organ des freien künstlerischen
Wettbewerbes schuf,wobei der dekorative Zweck
in Wegfall kam und die wirtschaftlichen Rücksichten
mehr oder weniger in den Hintergrund
traten. So war es in Italien Sitte, daß bedeutende
neue Werke, besonders solche, die in
die Fremde gehen sollten, der öffentlichen Besichtigung
zugänglich gemacht wurden; die Konkurrenzentwürfe
zu den großen Staatsaufträgen
pflegten dem Publikum vorgelegt zu werden, und
überhaupt war es sehr nach dem Geschmacke
der Zeit, die Arbeiten rivalisierender Künstler
in einer kleinen Ausstellung besichtigen, vergleichen
, kritisieren zu können. Damit war ja
der Gedanke der modernen Kunstausstellungen
im Kerne bereits gegeben, und der gewaltige
Kunstbetrieb, der sich im 16. und 17. Jahrhundert
zu Rom entfaltete und der den Ehrgeiz
und Wettbewerb der Künstler aufs äußerste
anspornte, lieferte die Atmosphäre, in der er
zur Reife gedieh. Da gab es Konkurrenzausstellungen
der Akademiker; Ausstellungen in
Kirchen und in Ateliers; eine öffentliche Ausstellung
zeigte dem römischen Kunstpublikum
die zwölf Bilder, die der König von Spanien
bei den gefeiertsten Malern der Stadt bestellt
hatte; die Congregazione dei Virtuosi beging
alljährlich den Tag ihres Schutzpatrons, des
hl.Joseph, durch eine Kunstausstellung unter
der Säulenhalle des Pantheons; eine andere
fand am Tage der Enthauptung S. Johannis
statt. So bildete sich die Kunstausstellung in
Rom zu einem Elemente des modernen Kunstlebens
aus — aber erst in Frankreich entwik-
kelte sie sich zu einer nicht mehr zu entbehrenden
Notwendigkeit. Auch hierin dem
römischen Vorbilde folgend übernahm die Pariser
Kunstakademie den Brauch der Wettbewerbe
unter den Schülern, deren Konkurrenzarbeiten
„sur les actions heroiques du Roy"
alljährlich ausgestellt werden sollten; außerdem
aber wurde in Nachahmung des Brauches
der Pantheon-Kongregation angeordnet, daß alljährlich
bei der Generalversammlung der Akademie
am ersten Sonnabend im Juli, wenn die
Neuwahl der Würdenträger des Instituts stattfand
, alle Funktionäre und Mitglieder gehalten
sein sollten, auf ein paar Tage „quelque morceau
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