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ERNST WENCK
MÄDCHENKOPF (1911)
ten, wie viele seiner Schulgenossen — und
sie haben alle ihr Publikum —, läge ein Anlaß
, sich mit ihm hier zu beschäftigen, allerdings
nicht vor. Aber der virtuose Naturalismus
von Begas und der romantische Idealismus
, wie ihn Schaper vertritt, haben Wenck
nicht festzuhalten vermocht. Der Wille zu
einem neuen plastischen Stil, der in einer
neuen Monumentalität der Form den vollkommenen
Ausdruck seines Empfindens
sieht, ist auch in Wenck lebendig geworden.
Zu ehrlich und nicht leichtblütig genug,
um die neuen Ideale in ihren Aeußerlich-
keiten aufzugreifen wie jene Raschfertigen,
ward ihm die Plastik von Grund aus von
neuem zum Problem. Ja, wie es an dem
Wendepunkt jeder Stilentwicklung dem ernsthaft
Ergriffenen immer zu gehen pflegt, die
Ueberzeugung durchdringt ihn, daß nun
eigentlich noch einmal von vorn zu beginnen
sei. Je ernster aber ein Künstler veranlagt
ist, um so schwerer wird es ihm sein,
sich von dem Formgesetz endgültig zu lösen,
unter dem er seinen Weg begonnen hat. Weil
er in die neue Formgesinnung nicht wie in
ein neumodisches Gewand hineinzuschlüpfen
vermag, sondern es ihm Sache des Herzens
ist, sich mit ihr nach allen Seiten der bildnerischen
Fragestellung auseinanderzusetzen
, werden seine Werke nicht ohne weiteres
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