Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 205
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rudolf nissl

stilleben (1915)

RUDOLF NISSL

Von Georg Jacob Wolf

Es ist einmal behauptet und oft nachgesprochen
worden, daß das Stilleben in dem
großen Haushalte der Kunst keine Notwendigkeit
bedeute; es könnte ausgeschaltet werden,
ohne daß der Aufbau des Kunstsystems und der
Kunstbetrieb selbst darunter
leiden müßten und ohne daß
deshalb ein Rädchen in dem
komplizierten Uhrwerk zu rasten
hätte. Daran ist ein
Funke Wahrheit, aber die Behauptung
gilt nicht uneingeschränkt
: es gibt Farbenprobleme
, die nur mit Hilfe und
nur auf dem Wege des Stilllebens
zu lösen sind. Hans
Thoma war es, der dem Stillleben
das Wort redete und dabei
Rembrandts Louvre-Bild
„Der geschlachtete Ochse"
anzog, jenes erschütternde
Meisterwerk, in dem das Mysterium
der Palette Rem-

Phot. Atelier ,.Elvira", München

brandts materialisiert scheint. Auch der Name
Wilhelm Leibis dürfte hier zu nennen sein: des
Künstlers, dem alle Erscheinungen seiner
Umwelt in der malerischen Nachgestaltung
zu Stilleben wurden, d. h. zu Gebilden, bei
denen das Farbenerlebnis und
seine Bildanordnung den Ausschlag
geben, und die Veranschaulichung
einer Handlung
oder seelischer Vorgänge
ausgeschaltet bleibt.

In diesem Sinne möchte
ich auch Rudolf Nissl vor
allem einen Stillebenmaler
nennen. Ich lege dabei dem
Worte Stilleben seinen ursprünglichen
Sinn unter: ich
fasse es nicht auf im Verstände
des französischen Begriffes
„nature morte", sondern
tatsächlich so, wie es
die deutsche Wortzusammensetzung
ergibt als „Stilles

Die Kunst für Alle XXXI. 11/12. 1. März 1916

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