Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 212
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tinischen Kapelle. Solche Erkenntnisse muß
München, muß insonderheit der Unterricht
Paul Höckers, des frühvollendeten genialen
Lehrers, zu dem er nach einer kurzen Studienzeit
bei Löfftz ging, in ihm erweckt haben.
Eigentlich muß das überraschen, denn die
künstlerische Stimmung und Tradition von
Nißls Heimat weist entschieden nach dem
Süden und seiner monumental-dekorativen
Kunst. Nißl ist nämlich Tiroler (in Fügen im
Zillertal ist er am 13. April 1870 geboren),
und die Tiroler alter und neuer Zeit haben
es an sich und in sich, den südlichen Zug
zum Monumentalismus in irgendeiner provinziellen
Spielart zu bekunden: dessen sind die

tirolischen Kirchenmaler des 18. Jahrhunderts
Zeugen und in unseren Tagen der Pustertaler
Egger-Lienz, bis zu einem gewissen Grad
auch Defregger und Mathias Schmid, bei denen
sich allerdings der Zug ins Große zu einem
Streben nach historischer Novellistik umbildete.
In dieser Hinsicht also hat Nißl mit seiner
Heimat und der künstlerischen Tradition seiner
Heimat nichts zu tun, aber er ist trotzdem
ihr getreuer Sohn, wenn man das lebhafte
Naturgefühl, den scharfen Blick, das ausgeprägte
künstlerische Empfinden für Farben und
Formen und die Treue im tiefsten Verstände
als hervorstechende Züge des Tirolers gelten
lassen will.

RUDOLF NISSL

DAS MODELL (1915)

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